Steigende Preise sorgen für Erholung der Halbleiter-Industrie
Aufschwung für Infineon in Sicht

Es geht wieder aufwärts in der Halbleiter-Branche. Analysten erwarten auch bei Infineon im laufenden Geschäftsjahr weniger Verlust als noch Anfang des Jahres. Für 2003 winken wieder satte Gewinne.

MÜNCHEN. Die Infineon Technologies AG, Europas zweitgrößter Chiphersteller, profitiert von steigenden Preisen für Speicherhalbleiter. Analysten geht davon aus, dass das Münchener Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr (zum 30.9.) rund 50 Mill. Euro weniger Verlust einfährt als die Experten noch zu Jahresbeginn prognostiziert hatten. Sie erwarten im Durchschnitt einen Fehlbetrag in Höhe von etwa 620 Mill. Euro. Infineon selbst äußert sich nicht zur Geschäftsentwicklung. Am 23. April werden die Halbjahreszahlen vorgelegt, erst dann sind weitere Aussagen zu erwarten.

"Die Talsohle ist durchschritten", heißt es in einer aktuellen Branchen-Studie der Hypo-Vereinsbank (HVB). Neben steigenden Preisen für Speicherhalbleiter, den so genannten Dram, bewerten die Banker die internen Restrukturierungen der Produzenten positiv. Auch Infineon hatte ein Kostensenkungsprogramm aufgelegt und mehr als 5 000 Stellen gestrichen. Andere Hersteller, wie der japanische Technologie-Konzern Toshiba, haben sich ganz aus dem Speicherchip-Bau zurück gezogen.

Wenn es bei den gegenwärtigen Preisen für Speicherchips bleibt, wird Infineon im vierten Quartal des Geschäftsjahres (Juli bis September 2002) wieder Gewinne einfahren, schätzen die Analysten. Für 2003 erwarten die meisten Institute einen Profit von mehr als 700 Mill. Euro, teilweise sogar über 1 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr war die ehemalige Siemens-Tochter mit fast 1 Mrd. Euro in die roten Zahlen gerutscht. Noch auf der Hauptversammlung im Januar hatte Infineon-Chef Ulrich Schumacher einen Verlust in ähnlicher Höhe vorher gesagt.

Die Münchener profitieren von einer weltweiten Erholung der Branche. Auch der amerikanische Branchenverband Sia gibt sich optimistisch: "Wir erwarten, dass die Halbleiter-Verkäufe im zweiten Halbjahr zweistellig zulegen." Die Amerikaner stellen weitere Erholungstendenzen fest: Im Februar waren die Dram-Verkäufe gegenüber dem Vormonat um 24 % gestiegen, während sich die Preise weiter erholten.

In den letzten Monaten war der Preis für Standard-Speicherchips mit 128 MB von etwa 1 $ auf zeitweise mehr als 4 $ geklettert. Damit rücken die Einnahmen wieder näher an die vollen Produktionskosten heran, die in den Infineon-Fabriken bei etwa 5,5 $ liegen.

Die Halbleiter-Hersteller haben die vergangenen Monate genutzt, um sich neu aufzustellen. Zahlreiche Unternehmen verbündeten sich in Allianzen, um die Produktions- und Entwicklungskosten zu senken. Infineon hat sich dabei mit den taiwanesischen Herstellern Mosel Vitelic und Winbond zusammen getan. Die Deutschen können damit ihren Dram-Weltmarktanteil von 14 % auf 17 bis 18 % steigern. Derzeit laufen weitere Gespräche mit der taiwanesischen Nanya Technology Corp über eine Zusammenarbeit.

Jeder vierte Euro in den Kassen von Infineon stammte vergangenes Jahr aus dem Speicherchip-Bereich. Durch die Preissteigerung wird der Anteil im laufenden Jahr nach Ansicht der HVB-Experten wieder stark steigen, da die anderen Sparten nicht in gleichem Maße wachsen.

Aus dem Umfeld von Infineon heißt es, man sei aber auch auf anderen Feldern als im Speicherchip-Bereich in Verhandlungen über Kooperationen. Das im Dax notierte Unternehmen produziert unter anderem Kommunikations-Chips, Halbleiter für die Autoindustrie sowie für Chipkarten.

Eine weitere Entspannung auf dem Speicherchip-Markt erwarten Analysten durch die geplante Übernahme des angeschlagenen koreanischen Herstellers Hynix durch das US-Unternehmen Micron. Mit Fabrikschließungen würden die weltweiten Überkapazitäten weiter reduziert, was die Preise steigen ließe.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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