Steigende Stornoquoten
Lebensversicherung: Verkaufen statt kündigen

Die Hälfte aller Lebensversicherungspolicen wird vorzeitig gekündigt. Doch es gibt Alternativen.

rrl DÜSSELDORF. Es ist schon tragisch. Anleihen bringen kaum Rendite, die Aktienkurse sind eingebrochen. Und weil die Überschüsse der Kapitallebensversicherungen gerade von diesen Finanzmärkten abhängen, sinken auch sie mit und in der Folge auch die Ablaufleistungen.

Doch wer nun seinen Vertrag kündigt, wird feststellen, dass der ihm ausgezahlte Rückkaufswert ein schlechtes Geschäft ist. Läuft der Vertrag weniger als zwölf Jahre, werden zusätzlich 26,38 Prozent Kapitalertragsteuer einschließlich Solidaritätszuschlag auf den Gewinnanteil fällig. Verkaufen statt kündigen bringt mehr. Juristisch gesehen wird der Vertrag abgetreten und damit fortgeführt statt aufgelöst, so dass die Kapitalertragsteuer entfällt.

"In Zeiten der Rezession steigen bei den Versicherern die Stornoquoten", weiß Matthias Wahl, Vorstand von cash.life. Der Aufkäufer deutscher Policen stellt Preise in Aussicht, die den Rückkaufswert um drei bis sieben Prozent übersteigen. Wird die Kapitalertragsteuer vermieden, seien bis zu 15 Prozent Plus drin, sagt Wahl.

Todesfallschutz bleibt erhalten

Der Kaufpreis einer Police wird errechnet aus der bis zur Gegenwart abgezinsten Ablaufleistung. Die hängt ab von den nicht bekannten künftigen Überschüssen. Um sie zahlen zu können, braucht die Versicherung Rücklagen. Wahls Konsequenz: "Je geringer die Rücklagen eines Versicherers, desto höher unser Risikoabschlag." Und je höher der Risikoabschlag, desto geringer der Kaufpreis. Der Todesfallschutz bleibt dem Verkäufer erhalten. Den Erben verspricht cash.life die Todesfallleistung abzüglich Kaufpreis, bezahlter Prämien und einer "angemessenen Verzinsung" zu überweisen.

Zu den cash.life-Kunden zählt auch die Policenbörse Barwert. Barwert vermittelt Policen an andere, statt zu kaufen. Die Preiskalkulation umschreibt Geschäftsführer Klaus Secker so: "Der Investor braucht eine Rendite von sechs bis sieben Prozent." Auch Barwert betont, dass die Erben des Policenverkäufers bei dessen Tod nicht leer ausgehen. Allerdings räumt Secker ein: "Der Erwerber kann mit dem Vertrag machen, was er will." Wenn er ihn kündigt oder die Prämien nicht zahlt, sei der Versicherungsschutz dahin. Für Privatpersonen ist der Policenkauf nach Wahls Ansicht nicht besonders attraktiv, weil sie die gesamte Ablaufleistung versteuern müssen.

Eine andere Geschäftsphilosophie hat Life Benefit Resources (LBR). LBR sucht keine Kapitalanlage, sondern spekuliert auf Todesfallleistungen, wie dies die Käufer von US-Risikopolicen auch tun. Neben Risikopolicen werden auch Kapitallebensversicherungen gekauft, wenn der Tod des Versicherungsnehmers prognostizierbar ist. Die Gesellschaft lässt soziales Engagement anklingen, doch macht Deutschland-Repräsentant Georg-Ove Daniel "keinen Hehl daraus, dass wir eine kommerzielle Gesellschaft sind". Gekauft - und nicht weiterverkauft - würden Policen von Menschen, die nur noch eine Lebenserwartung von bis zu drei Jahren haben. Als Hausnummer für den Verkaufserlös nennt Daniel rund 70 Prozent der Todesfallsumme bei einer Lebenserwartung von zwei Jahren.

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