Steigende Rechenpower soll Unterhaltungselektronik beflügeln
Erster Zwei-Gigahertz-Prozessor auf der Funkausstellung

Der weltweit größte Halbleiterhersteller Intel hat am Montag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin seinen neuen Pentium-4-Prozessor mit einer Taktrate von 2 Gigahertz (GHz) offiziell vorgestellt.

ddp/afp BERLIN. Bereits seit Samstag sind PC-Systeme mit dem Prozessor auf dem Stand von Intel zu sehen und auch im Handel zu kaufen. Bei einer Abnahme von 1 000 Stück kostet der neue Chip 562 Dollar (rund 1 200 Mark), wie das Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte.

Deutlich schneller als der Pentium 3

Die Stärken des neuen Chips liegen vor allem in den Bereichen digitaler Musik- und Videobearbeitung sowie PC-Spielen und 3D-Grafiken, sagte Intel-Europamanager Stacy Smith. Bei rechenintensiven Anwendungen wie dem Komprimieren von Videos sei der neue Pentium 4 bis zu 83 Prozent schneller als ein mit 1 GHz getakteter Pentium-III-Chip. In Unternehmen sollen Anwendungen wie Virenprüfung, Verschlüsselungen und Datenkomprimierungen besser im Hintergrund laufen können.

Intel ist in diesem Jahr erstmals auf einer IFA vertreten. Auf seinem rund 400 Quadratmeter großen Stand zeigt das Unternehmen die Einsatzmöglichkeiten des neuen Chips. Darunter sind Anwendungen zur digitalen Foto-, Video- und Musikbearbeitung in Echtzeit ebenso wie ein begehbarer virtueller Raum. Eine digitale Videokamera kann auf diese Weise etwa den Spieler eines PC-Games in eine solche künstliche Welt einbinden. Der PC stehe im Mittelpunkt all dieser Anwendungen, begründete Smith den Messeauftritt von Intel.

Eineinhalb Jahre hat Intel gebraucht, um die Geschwindigkeit seiner Computerchips von einem auf zwei Gigahertz zu verdoppeln. "Um zu einem Gigahertz zu kommen, haben wir 29 Jahre gebraucht", sagt der neue Deutschland-Geschäftsführer des US-Konzerns, Jürgen Thiel. Die auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin weiter in die Höhe geschraubte Taktrate soll nicht zuletzt die Unterhaltungselektronik beflügeln. "Der Konsument ist der typische Anwender, der Neues zuerst ausprobiert", sagt Thiel.

Mit seiner Premiere auf der Funkausstellung will der High-Tech-Konzern dieser Vorreiterrolle des Privatanwenders gerecht werden. "Mein Ziel ist es, auch im Konsumentenmarkt wieder mehr zu tun", erklärt der Manager. Auf dem Intel-Stand wird denn auch kein einziger Prozessor gezeigt - das wäre zu technisch. Stattdessen demonstrieren Computer mit dem neuen Zwei-Gigahertz-Chip dessen Fähigkeiten für daten- und rechenaufwendige Berechnungen: Mal kann man das eigene Kamerabild in einer virtuellen Computerspiellandschaft mit startendem Raumschiff erleben, mal die Musikbearbeitung mit Multimedia-Software testen. "Der Unterschied ist zwar nicht groß, aber deutlich zu spüren", sagt der Techniker Thorsten Weiss von der auf Videoschnitt spezialisierten Software-Firma Canopus.

Bisher arbeitete er an einer 1,7-Gigahertz-Maschine, jetzt kann er die Videos zum ersten Mal mit dem neuen Hochleistungsprozessor in Echtzeit schneiden. Für viele andere Zwecke sind die bisherigen Prozessoren mehr als ausreichend - aber auch hier profitiert der Verbraucher von dem sich immer schneller drehenden Taktraten-Karussel: Die Preise für die bisher eingeführten Prozessoren werden teilweise um 54 % gesenkt, also mehr als halbiert. Beschleunigt wird das technologische Rennen nicht zuletzt von der Konkurrenz mit AMD. Die Ein-Gigahertz-Schwelle überwand AMD im Frühling vergangenen Jahres mit hauchdünnem Vorsprung vor Intel. "Mit zwei Gigahertz sind wir wieder Technologieführer", freut sich Thiel. Der Plan für die künftige Entwicklung ist schon vorgezeichnet: 2005 sollen zehn Gigahertz, zwei Jahre danach 20 Gigahertz erreicht sein.

Nachfolger für PCI-Bus frühestens 2003 zu sehen

Diese Entwicklung stellt das gesamte PC-System aber auch vor Probleme. "Bei 10, 20 Gigahertz wird der Prozessor zur Antenne, weil die elektromagnetische Abstrahlung so hoch ist", erklärt Intel-Entwicklungsmanager Gerhard Riedle. Deshalb wird jetzt erneut der Sockel für den Prozessor geändert und mit mehr Pins versehen - das sind die Drahtbeinchen, mit denen der Prozessor in seine Halterung auf dem Mainboard gesteckt wird. Und damit der immer schnellere Prozessor nicht von anderen PC-Bauteilen ausgebremst wird, soll der 1993 eingeführte PCI-Bus - also das System für den gleichzeitigen Transport unterschiedlicher Daten etwa zwischen Prozessor, Arbeitsspeicher und Grafikkarte - von Grund auf erneuert werden.

Statt der parallelen Verarbeitung im PCI-Bus sollen die Daten beim PCI-Nachfolger 3GIO (Third Generation Input Output) seriell zwischen den verschiedenen Bauteilen durchgeschleust werden, was die ganze Sache beschleunigt. Dies bedeutet aber auch, dass alle Bauteile neue, dafür passende Schnittstellen und Treiber bekommen müssen. Riedle rechnet damit, dass erste Ansätze für die Einführung von 3GIO im Jahr 2003 zu sehen sein werden.

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