Archiv
Steiniger Lebensweg in Italien

HANDELSBLATT, 16.7.2003
KÖLN. Antonio Negri hat viel erlebt und daher auch viel zu erzählen. In seinem neuen Buch wirft der einflussreiche Theoretiker der italienischen Protest- und Arbeiterbewegung der 60er einen Blick zurück. Sein theoretisches Denkens war damals vom Bemühen um die Erneuerung eines undogmatischen Marxismus geprägt - als Mitglied militanter Gruppen wurde er Ende der 70er-Jahre in den Prozessen gegen die "Roten Brigaden" zu 17 Jahren Haft verurteilt. Dem Gefängnis entkam er 1983 durch seine Wahl zum Abgeordneten ins italienische Parlament. Als ihm per Abstimmung die Immunität entzogen wurde, flüchtete er nach Frankreich.

Negris Entschluss, sich 1997 den italienischen Behörden zu stellen, kostete ihn die Freiheit, war seinem intellektuellen Wirken aber nicht hinderlich. Mit dem amerikanischen Soziologen Michael Hardt veröffentlichte Negri das viel beachtete Manifest "Empire", das eng mit seiner Biografie verbunden ist.

Wer Negris Ansichten zum globalisierten Kapitalismus nicht teilt, kann das Buch über die "Rückkehr" dennoch erhellend finden. Es enthält ein langes Interview, das die Journalistin Anne Dufourmantelle vor zwei Jahren mit Negri geführt hat - entlang einer lockeren Serie alphabetisch geordneter Stichworte. Kurze Abhandlungen liefern Hintergrund zum Verständnis von Negris Werk. Die persönlichen Erinnerungen des heute 70-Jährigen an seine Kindheit während des Faschismus, die Depression im Gefängnis und die Zeit ohne Papiere in Paris lassen nachvollziehen, wie Negri zu dem wurde, was er ist.       Josy Wübben

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%