Steinkohlenbergbau in Deutschland wird Auslaufmodell – Spezialchemie nach Tauschgeschäft als neuer Schwerpunkt wahrscheinlich
RAG rüstet sich für Ära nach der Ruhrkohle

Stück für Stück verabschiedet sich die frühere Ruhrkohle AG von der deutschen Steinkohle. Nun prüft der RAG-Vorstand, wie er seine Finanzbeteiligung an der Ruhrgas sinnvoll tauschen kann. Eon bietet hierfür die Tochter Degussa an – womit die RAG ihre Aktivitäten auf die Spezialchemie konzentrieren würde.

DÜSSELDORF. Die Essener RAG AG steht vor einer Weichenstellung. Zwar erzielt die frühere Ruhrkohle bereits drei Viertel ihres Konzern-Jahresumsatzes von zuletzt 14,8 Mrd. Euro jenseits der Produktion deutscher Steinkohle. Doch gibt die beabsichtige Übernahme der 18-prozentigen Beteiligung der RAG an der Ruhrgas durch den Düsseldorfer Energiekonzern Eon dem Kohlenkonzern die Chance, den Strukturwandel auch unternehmenspolitisch zu vollenden.

Denn wenn überhaupt, dürfte es beim Ruhrgas-Geschäft zu einem Tausch kommen. Zwar sind in den vergangenen Monaten auch die Eon-Immobilientochter Viterra und die Logistiksparte Stinnes als Tauschobjekte genannt worden. Jetzt aber läuft alles auf den Spezialchemiekonzern Degussa hinaus. Mit der Eon-Chemietochter könnte die RAG zusammen mit ihrer eigenen Chemisparte Rüttgers einen attraktiven Schwerpunkt bilden.

Eine Baustelle ist der Essener Konzern ohnehin seit vielen Jahren. Er erzielt den Großteil seiner Umsätze und Gewinne zudem vornehmlich im Ausland. Der so genannte weiße Bereich - hierzu zählt auch das ausländische Kohlegeschäft - ist vielfältig durchmischt. Eine Ertragsperle im weißen Bereich ist das durchgerechnet 18-prozentige Paket an der Ruhrgas. Doch abgemacht ist dessen Verkauf noch lange nicht.

Denn RAG-Chef Karl Starzacher hat bei der Neustrukturierung keinen leichten Stand. Auf der einen Seite sind die beiden wichtigsten Aktionäre - Eon mit knapp 40 % und RWE mit 30 % - über Kreuz. Auf der anderen Seite hat auch die Bundesregierung bei dem Geschäft mitzureden. Schließlich subventioniert Berlin die heimische Kohleproduktion und behält sich deshalb eine Zustimmung zum Verkauf von RAG-Vermögen vor. Denn die RAG soll weiterhin in der Lage sein, einen Teil der Subventionen aus dem Unternehmensgewinn zu tragen.

Starzacher will einerseits die Konglomerat-Struktur der RAG erhalten, das Portfolio andererseits aber schärfen. In den vergangenen Jahren hat er die profitablen Aktivitäten bei der Überseekohle und im internationalen Kohlehandel kräftig ausgebaut. 2001 folgte die Übernahme aller Steag-Anteile, womit die RAG ihre Stellung beim Bau und Betrieb von Kraftwerken national und weltweit ausbauen konnte. Auf lange Sicht könne hierdurch ein interessantes Wachstumspotenzial erschlossen werden, erklärte Karlheinz Bozem, Vizepräsident der Beratergruppe Booz Allen & Hamilton in München, dem Handelsblatt.

Der Tausch Ruhrgas-Degussa ist also noch lange nicht entschieden. So ließe sich das Geschäft ohne finanzielle Hilfen der Eon nicht stemmen. Denn der Wert des Ruhrgas-Pakets der RAG beläuft sich auf rund zwei Mrd. Euro; die gesamte Degussa ist beinahe viermal so viel wert. Selbst für eine 51-prozentige Mehrheit bräuchte die RAG eine Kredithilfe der Eon von zwei Mrd. Euro, die in Aussicht gestellt worden ist. Mit der Ausrichtung auf die Chemie würden zudem Akquisitionsmöglichkeiten beim Auslandsbergbau und bei Kraftwerken zugeschüttet, warnen unternehmensnahe Kreise. Sie erinnern daran, dass der zweitwichtigste Aktionär RWE bisher noch kein Wort zu dem Geschäft gesagt hat. Sicher ist nur, dass "die milliardenhohen Subventionen für die heimische Kohle immer mehr zurückgehen werden", so der Essener Energie-Professor Dieter Schmitt. Deshalb müssten die Kosten schon kurzfristig weiter kräftig gesenkt werden. Denn mehr Geld als die pro Jahr zugesagten 100 Mill. Euro werde die Essener RAG kaum für die Zechen an Rhein und Ruhr sowie an der Saar aufbringen können - mit oder ohne Degussa.

Quelle: Handelsblatt

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