Steinmeier-Reise
Öl, Gas und Flüchtlinge

35 Jahre ist es her, dass sich ein deutscher Außenminister nach Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens, verirrt hat. Zuletzt war es Walter Scheel. Nun ist es Frank Steinmeier, -Walter der der größten Stadt im Westen des Landes einen Besuch abstattet. Warum Berlin sich plötzlich für Mauretanien interessiert.

NOUAKCHOTT. "Vor 35 Jahre war Walter Scheel hier", erinnert sichder mauretanische Außenminister Ahmed Ould Sid?Ahmed. Umso mehr ist ihm der Stolz anzumerken, dass in dem kleinen, schmucklosen Flughafen-Terminal jetzt sein deutscher Kollege Frank Steinmeier-Walter neben ihm steht. Dieser hatte seine Maghreb-Reise unbedingt mit einem Abstecher in das nordwestafrikanische Land abschließen wollen.

Dabei scheint Mauretanien auf den ersten Blick kaum ein lohnendes Ziel für die deutsche Außenpolitik und künftige EU-Ratspräsidentschaft zu sein: knapp drei Millionen Einwohner, ein Bruttosozialprodukt von rund 700 Dollar pro Kopf und ein putschender Obrist als Präsident.

Doch Steinmeier hat gute Gründe, sich durch die sengende Sonne und die staubigen Straßen der mauretanischen Hauptstadt fahren zu lassen. Der lange unbeachtete Staat an der Schnittstelle zwischen arabischer Welt und Schwarzafrika ist plötzlich auch für die große EU interessant geworden. Wie auf allen Stationen seiner Maghreb-Reise dominieren in den Gesprächen Steinmeiers zwei Themen: Rohstoffe und Migration.

"Es handelt sich um eine Öl- und Gasregion mit viel Potenzial", sagt etwa Bernhard Schmidt, Vorstand der BASF-Tochter Wintershall AG. Erst im Februar dieses Jahres hat sich Mauretanien in die Reihe Öl exportierender Länder eingereiht. Die derzeit geförderten 35 000 Barrel pro Tag sind zwar ein Klacks im Vergleich zu Opec-Riesen. Aber weil der Gas- und Ölpreis hoch, das Land unerforscht und der weltweite Energiehunger groß ist, tummeln sich nun Dutzende internationaler Firmen im Land. Auch Wintershall hat Explorationsrechte für ein Gebiet, das so groß wie Österreich ist. Werden tatsächlich in größerem Maßstab Öl und Gas gefunden, könnte Mauretanien eine wichtige Rolle für die Energieversorgung Europas spielen - und sich rasant entwickeln.

In Nouakchott hat deshalb der Kampf um Ressourcen und Einfluss begonnen. Deutschland hilft zwar seit Jahren relativ uneigennützig bei Umwelt- und Fischereiprojekten und berät beim Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen. Aber das rohstoffhungrige China hat sich wie fast überall in Afrika längst festgesetzt. Fast jedes Regierungsgebäude in Nouakchott ist von Chinesen gebaut und finanziert. Nur langsam wachen die Europäer auf und planen für die zweite Jahreshälfte 2007 nach sechs Jahren immerhin wieder einmal einen EU-Afrika-Gipfel. Auch deshalb will Steinmeier Flagge zeigen: "Die südlichen Nachbarn der EU müssen keine Sorge haben, dass sie wegen der Erweiterung der Union nach Osten nun vergessen werden."

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