Stellenabbau unvermeidlich
Zukunft von Mobilcom weiter ungewiss

Die Mobilcom AG wird unabhängig von der Entscheidung des Großaktionärs France Télécom über eine Fortsetzung der Unternehmensfinanzierung Stellen streichen. Das sieht ein Restrukturierungsprogramm für das Kerngeschäft ohne UMTS-Netz vor, das der Vorstand ausgearbeitet hat.

ddp/HB BÜDELSDORF/BERLIN. Mit dem Plan sei das Erreichen der Gewinnschwelle ab 2003 möglich, sagte der Vorstandsvorsitzende Thorsten Grenz am Donnerstag in Büdelsdorf vor der Presse.

Sollte sich France Télécom jedoch vollständig aus dem Unternehmen zurückziehen, werde Mobilcom "sehr kurzfristig" den Netzbetrieb einstellen müssen. "Einen Personalabbau haben wir also in jedem Fall", sagte Grenz. Zum Umfang machte er keine Angaben. Grenz hält eine Aufkündigung des Kooperationsvertrages allerdings für unwahrscheinlich. Eine Fortsetzung sei für den französischen Partner "die billigere und risikofreiere Lösung". Bei einer Kündigung drohe ein jahrelanger Rechtsstreit mit Milliardenrisiken.

Die Pressekonferenz wurde von einer Demonstration von rund 1700 Beschäftigten begleitet. Vor der Hauptverwaltung in Büdelsdorf demonstrierten sie für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Auch die Bundesregierung macht sich offenbar Sorgen um die Zukunft des Unternehmens. "Es laufen seit geraumer Zeit Gespräche auf der Arbeitsebene mit der französischen Regierung und mit Mobilcom", sagte ein Sprecher des Bundespresseamtes der Wirtschaftsnachrichtenagentur vwd. Einzelheiten nannte er nicht.

Der Verwaltungsrat von France Télécom trifft am Donnerstagnachmittag (17.30 Uhr) zu einer Beratung über das weitere Verhältnis zu MobilCom zusammen. Zur Abstimmung stehen laut Medienberichten entweder der Rückzug vom deutschen Markt oder die Übernahme der 71,5 Prozent Mobilcom-Anteile, die der France Télécom noch nicht gehören. Mit einer Bekanntgabe der Entscheidung rechnen Beobachter allerdings erst für Freitag.

Derweil wird bereits der Vorstandsvorsitzende von Thomson Multimedia, Thierry Breton, als neuer Chef von France Télécom gehandelt. Der 47-Jährige solle Michel Bon ablösen, berichteten "Le Monde", das "Wall Street Journal" und die Wirtschaftsagentur Dow Jones Newswires am Donnerstag übereinstimmend. Das französische Wirtschafts- und Finanzministerium dementierte jedoch, dass Breton Minister Francis Mer eine Zusage gegeben habe. Die Entscheidung dürfte ebenfalls auf der Tagesordnung des Verwaltungsrates von France Télécom stehen.

Bon müsste am Freitag neue Milliardenabschreibungen und möglicherweise den Ausstieg bei der deutschen Mobilcom verkünden und dann seinen Hut nehmen, schrieb "Le Monde". Nach Informationen des "Wall Street Journals" vom Donnerstag wurde erwartet, dass Breton bereits am Freitag neuer Vorstandsvorsitzender bei France Télécom wird. Dem derzeitigen Chef von Thomson Multimedia wird zu Gute gehalten, das angeschlagene Unternehmen saniert zu haben. Seit seinem Amtsantritt 1997 ist der Umsatz um 80 % gestiegen.

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