Stellenaufbau geht aber nur langsam voran
Am US-Arbeitsmarkt steht die Wende noch aus

Die Arbeitslosenquote in den USA ist im Mai auf 5,8 % gesunken. In Kanada hat sich die Arbeitslosenrate dagegen leicht von 7,6 auf 7,7 % erhöht.

WASHINGTON. Viele Volkswirte wurden davon überrascht, hatten sie doch nach dem Anstieg auf 6 % im April, dem höchsten Stand in den vergangenen sieben Jahren, keine Besserung bis September erwartet.

Trotz des Rückgangs der Quote in den USA wurden aber nur wenige neue Jobs (41 000) geschaffen. Analysten hatten mit mehr gerechnet. Für Lois Orr, Kommissar für Arbeitsstatistik, spiegelt der Rückgang deshalb nur "einen kleinen Wechsel" in der grundsätzlichen Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft wider. Sie sei nach wie vor langsam. "Bis die Unternehmen wieder Vertrauen in das Ende der Rezession aufgebaut haben und neue Mitarbeiter einstellen, werden noch einige Monate vergehen", räumte Arbeitsministerin Elaine Chao ein. Die Wende am Arbeitsmarkt steht also noch aus.

Besonders schwer haben es Langzeitarbeitslose, die seit mehr als sechs Monaten nach einem Job suchen. Ihre Zahl stieg im Mai auf 1,64 Millionen - ein Plus von 45 % seit Jahresbeginn und der höchste Stand seit 1994.

Dahinter vermuten einige Experten aber auch politische Gründe. Robert Shimer von der Princeton Universität erläutert: "Wenn es nur sechs Monate Arbeitslosenhilfe gibt, versucht jeder in diesem Zeitraum einen neuen Job zu finden. Nun hat die Regierung aber die Arbeitslosenhilfe auf neun Monate verlängert. Ich erwarte daher auch erst entsprechend später einen Rückgang der Quote." Die verlängerte Arbeitslosengeld-Regelung wurde nach dem 11. September geschaffen und endet in dieser Woche.

Während der US-Arbeitsmarkt schwach bleibt, deuten andere Indikatoren fast ausnahmslos auf einen sanften Aufschwung hin. Erst in der vergangenen Woche konnte die Notenbank Fed vermelden, dass die Verbraucher im Mai mehr Geld aufgenommen hätten. Ein Zeichen, dass sie weiterhin in Konsumlaune sind und so die Wirtschaft stützen.

Zu Einstellungen wird es nach Meinungen der US-Ökonomen erst kommen, wenn auch die Unternehmen ihre abwartende Stellung aufgeben. Bisher greifen sie noch verstärkt auf Zeitarbeiter zurück. Deren Zahl stieg im vergangenen Monat um 0,9 %. "Die Firmen sind bereit Leute einzustellen. Sie wollen allerdings keine festen Arbeitsverträge geben", erklärte Daniel Laufenberg, Chefökonom von American Express Financial Adviser. "Sie benutzen solange Zeitarbeiter, bis sie sich sicher sind, dass die ganze Lage besser wird."

Sorgenkind bleibt das verarbeitende Gewerbe. Es hat erneut Arbeitsplätze abgebaut. "Doch der Rückgang um 19 000 stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber dem durchschnittlichen Monatsminus von 115 000 zwischen März 2001 und Januar 2002 dar", betont David Huether, Chefökonom des US National Association-Industrieverbands of Manufacturers.

Für Diskussionen sorgen die jüngsten Arbeitsmarktzahlen im Hinblick auf eine Zinsentscheidung. Bisher hatten die meisten Volkswirte argumentiert, die Fed ziehe die Zinsschraube an, sobald die Arbeitslosenquote sinke. Jetzt sind sie sich nicht mehr so sicher: Die Analysten vom Investmenthaus Goldman Sachs rechnen nach einer neuen Studie vor Anfang 2003 nicht mit einer Zinserhöhung. Andere Volkswirte erwarten sie dagegen im August oder September.

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