Stellenkürzungen
Sparmaßnahmen bei Gerling stehen fest

Industriekunden zeigen sich erleichtert: Kein massiver Rückzug aus dem Industriegeschäft. Nun stehen die Sparmaßnahmen fest, mit denen sich der angeschlagene Industrieversicherer für einen neuen Großaktionär fit machen will.

 

cd/rl DÜSSELDORF. Zwei Wochen länger als angekündigt haben Konzernvorstand und Gesamtbetriebsrat des Kölner Gerling-Konzerns für ihre Einigung benötigt: Im Kern haben sich Management und Betriebsrat auf Stellenkürzungen von 1 250 Mitarbeitern über zwei Jahre (davon bereits 200 erreicht) plus eine zusätzliche Einsparung von rund 70 Mill. Euro für das laufende Jahr geeinigt, teilte Gerling mit. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, ganz ohne sie wird es aber nicht gehen.

Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, die hoch gesteckten Vorgaben der beiden Großaktionäre - Rolf Gerling zu 65,5 % und die Deutsche Bank zu 34,5% - zu erreichen, bleibt abzuwarten. Die Messlatte hängt hoch: Ziel ist eine Eigenkapitalrendite von 15 % nach Steuern und eine Schaden-Kosten-Quote in allen vier Kernbereichen (Industrie-, Firmen- und Privat-, Rück- sowie Kreditversicherung) von 103 % der Nettobeiträge. Also von einem Euro Beitrag dürfen nicht mehr als 1,03 Euro für Schäden und Kosten ausgegeben werden. Davon wichen zuletzt vor allem die Geschäftsfelder Industrie (2000: 122 %) und Rückversicherung (112 %) ab. Hier sind demzufolge die größten Einschnitte geplant (siehe Grafik). Lediglich die Kreditversicherung bleibt weitgehend verschont, sagte ein Gerling-Sprecher.

Die Rückversicherung hat mit ihrem Rekordverlust von 500 Mill. Euro die Krise bei Gerling zu verantworten. Hier will Gerling sich auf Europa konzentrieren. Außerdem soll mehr Lebensgeschäft geschrieben werden. Über die Wurzel des Übels konnten Betriebsrat und Vorstand sich offenbar noch nicht einigen: Für das durch Asbest und Terroranschläge gebeutelte US-Rückversicherungsgeschäft wird ein gesondertes Konzept ausgearbeitet, hieß es. Einen Zeitrahmen gebe es nicht. Fest stehe aber der Verkauf der Tochter in Süd-Afrika und die Schließung der Repräsentanzen in Mexiko, Korea und Taiwan. Im Bereich Industriegeschäft ist geplant, sich auf europäische Kunden zu konzentrieren, dazu soll Auslandsgeschäft verkauft werden. Gerling ist neben der Allianz der wichtigste Industrieversicherer in Deutschland. Die Industriekundschaft macht sich daher Sorgen, dass sich Gerling durch Sparprogramm und einen möglichen Verkauf an eine ausländische Adresse aus dem Industriegeschäft zurückziehen könnte.

Vertreter der Industrie zeigten sich daher in einer ersten Stellungnahme zu den Sparmaßnahmen "den Umständen entsprechend" erleichtert. "Wenn die Adjustierung an der Peripherie zum Erhalt der Betreuung der deutschen und europäischen Versicherungsinteressen beiträgt, so ist dies der deutschen Industrie sicherlich willkommen", sagte Ralph Oelßner, Präsident des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes (DVS), der Interessenvertretung der Versicherungseinkäufer der Industrie. Mit anderen Worten, das Sparpaket ist so geschnürt worden, dass die heimischen Großkunden möglichst wenig zu spüren bekommen sollen.

Diese Schonung nährt Spekulationen, dass die Industrie bei Gerling einsteige. Solche Überlegungen werden von Industrievertretern alternativ dazu diskutiert, einen eigenen Versicherer zu gründen. Ziel: Den Wegfall von Kapazitäten aufzufangen, um die Preise für Versicherungsschutz zu dämpfen. Die Gründung eines neuen Versicherers ist von BASF angeregt worden. Eine mögliche Beteiligung sei allenfalls an der Gerling-Konzern Allgemeine und an der Lebensversicherung denkbar, ist aus Industriekreisen zu erfahren. Doch die praktische Umsetzung gilt als extrem schwierig, vor allem die Finanzierung.

Quelle: Handelsblatt

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