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Stephan Schambach - Pendler zwischen den Welten

Mit 19 brach er das Studium ab, mit 24 gründete er sein Unternehmen. Trotzdem kann Intershop-Chef Stephan Schambach im Moment nicht ruhig schlafen.

Die Ringe unter Stephan Schambachs Augen sind nicht zu übersehen. "Ich pendele ständig zwischen Amerika und Deutschland", klagt der Intershop-Gründer und-Vorstandschef. Es wäre wohl angenehmer, täte er das weiterhin nur, um sich als Sinnbild neu erwachten deutschen Gründergeistes feiern zu lassen. Doch die Zeiten sind nicht mehr so: Eine Gewinnwarnung seines Software-Unternehmens peitschte den Kurs nach unten. Und nun muss Schambach auf beiden Seiten des Atlantiks Kurspflege betreiben: mit Investoren sprechen, Interviews geben, immer wieder betonen, dass nur erhöhte Werbeausgaben für die roten Zahlen verantwortlich sind.

Man merkt ihm an, dass er sich lieber um andere Dinge kümmern würde. Vor allem um sein Unternehmen, dessen Vorläufer Net Consult er zusammen mit Partnern 1992 gründete. Schon drei Jahre zuvor hatte der Jenaer das Physikstudium in seiner Heimatstadt abgebrochen. 1996 schon war Net Consult reif für das Silicon Valley, Schambach zog nach San Matteo, den südlichen Vorort von San Francisco.1997 erhielt er postwendend vom kalifornischen Gouverneur den Unternehmer-Preis "California Govenors IT Entrepreneurial Excellence Award". Mit dem Gang an den Neuen Markt mutierten Schambach und sein inzwischen in Intershop umbenanntes endgültig zu Stars der deutschen New Economy.

Die wahren Qualitäten von Jungunternehmern seines Schlages, predigen die BWL-Professoren, zeigten sich jedoch erst in der Krise. Und da gibt Schambach nicht klein bei. Beim ersten Netzwert-Forum in Berlin zum Thema "Verschläft die Politik die New Economy" attackierte er Wirtschaftsminister Werner Müller und CDU-Chefin Angela Merkel hart: Besteuerung von Aktienoptionen? "Nicht wettbewerbsfähig." Kinder statt Inder? "Ich wurde für diesen Spruch in den USA mehrmals angemacht. Ich habe mich geschämt." Fördermittel zur Unternehmensgründung? "Wir haben bewusst darauf verzichtet. Und das kann ich auch nur jedem raten." Die digitale Signatur als Pflicht beim elektronischen Handel? "Dann stirbt E-Commerce."

Müller und Merkel blieben angesichts der pointierten Kritik nicht viel mehr als immer wieder zurückzurudern. Nach diesem starken Auftritt muss Schambach nur noch die Investoren-Welt davon überzeugen, dass Intershop nicht nur einen redegewandten Chef hat, sondern auch die Substanz, mehr zu sein als ein Mitläufer der digitalen Wirtschaft. Doch dafür sind noch viele Flüge nötig zwischen San Francisco, New York und Frankfurt.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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