Stephan Vuckovic verpasste Olympia-Gold nur knapp und kommt auch an der Börse bisweilen zu spät
Stephan Vuckovic: Immer noch Daimler im Depot

Die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney hat das Leben des Triathleten Stephan Vuckovic verändert. Sponsoren interessieren sich für ihn, die Presse sowieso. Nur sein schwäbischer Landsmann Harald Schmidt nicht, der gab ihm einen Korb.

MAGDEBURG. Ein schöner Tag in Magdeburg, im Stadtpark Rotehorn scheint die Sonne. Stephan Vuckovic und Freundin Anja Dittmer kommen gerade vom Lauftraining. Sagen sie jedenfalls. Bei Otto Normalsportler kommen leise Zweifel auf. Das Duo sieht unverschämt frisch aus, Anzeichen von Anstrengung sind nicht erkennbar.

Na gut, Themenwechsel. Vuckovic, unlängst in Sydney mit olympischem Silber ausgezeichneter Triathlet, erzählt von seinen Börsenerlebnissen. "Ich denke schon, dass ich weiß, wie der Hase läuft", sagt er. Und verweist, quasi als Beleg, auf die Aussage seiner beeindruckten Schwester: "Die meint, ich hätte einen tierischen Instinkt."

Hört sich gut an, ein rundum glücklicher und von allen beneideter Anleger offenbar. Gar so ist es dann doch nicht. Sicher, mit VW und Mannesmann hat er seinerzeit gutes Geld verdient. Auch in die meisten Fonds ist er nach eigener Aussage zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen. Doch Vuckovic ist ehrlich genug, sein Gespür für die richtige Aktienauswahl zu relativieren. Lukoil hatte ihm ein Freund empfohlen, er ließ es bleiben und verpasste eine Kursvervielfachung. Dumm auch, dass der Schwabe das aktuelle Dax-Sorgenkind Daimler noch immer im Depot hat.

Ausdauersportler Vuckovic ist eben auch an den Finanzmärkten eher ein Typ mit langem Atem. Von kurzfristigen Spekulationen via Optionsschein lässt er die Finger, große Werte mit geringerer Schwankungsbreite werden bevorzugt. Auch deshalb, weil ihm angesichts des Trainingsaufwands "keine Zeit" bleibt, sich intensiv um die eigene Geldanlage zu kümmern: "Es kommt vor, dass ich mir die Kurse monatelang nicht anschaue. In den Trainingspausen ist das was anderes, dann tausche ich mich vor allem mit einem Freund und meinem Sparkassenberater aus." Trainingsfrei und damit Zeit für Transaktionen an der Börse hat der 28-Jährige aber kaum mehr als einen Monat pro Jahr.

Dabei ist es in Zukunft durchaus ratsam, sich für die Geldanlage mehr Zeit zu nehmen. Die Summen, die im Spiel sind, werden sich voraussichtlich deutlich nach oben bewegen. "Vier große, international tätige Unternehmen haben Interesse an einer Zusammenarbeit mit mir", freut sich Vuckovic über neue Verdienstmöglichkeiten in der Werbung. Millionär durch Reklameeinsätze für Klamotten oder Drinks? Ein breites Lächeln erfasst Vuckovics Gesicht: "Das ist nicht völlig abwegig."

Wer will es ihm verdenken, dass er das ziemlich "cool" findet? Schließlich hat er viel investiert in den vergangenen Jahren in seinen Sport, der auch sein Job ist. Hat Trainingslager nicht nur mit dem Nationalteam, sondern auch auf eigene Kosten absolviert. Hat mit dem früheren Katrin-Krabbe-Trainer Thomas Springstein und Schwimmcoach Lutz Wanja persönliche Betreuer verpflichtet, was im Triathlon nicht gang und gäbe ist. "Zumal ich einer der wenigen bin, der seine Trainer ordentlich bezahlt."

Wenn er gefragt wurde, warum er einen solchen Kostenaufwand betreibt, antwortete Vuckovic gelassen: "Wartet nur ab, das kommt alles wieder rein." Seit dem 17. September, als er in Sydney unerwartet auftrumpfte, kann er für sich in Anspruch nehmen, alles richtig gemacht zu haben. "Das war ein Bingo", strahlt der gebürtige Reutlinger, der in Magdeburg trainiert und für einen Klub in Witten an den Start geht.

Zwar wurde ihm auf den letzten 200 Metern noch die Goldmedaille entrissen, doch Vuckovic freute sich trotzdem unbändig ("Das hat mir viele Sympathien eingebracht"). Mit einer glänzenden Performance bei den anschließenden Interviews - locker, frei von der Leber - präsentierte er sich als Typ mit Erinnerungswert. Dass der Glatzkopf mit seinem Kopftuch als Piratenverschnitt daherkommt, verstärkte den Gesamteindruck und wirkt noch immer. "Oft kommen wildfremde Leute auf mich zu, gratulieren oder umarmen mich und sagen: Ich hab sie am Kopftuch erkannt."

Das ist praktisch, denn auch in der Werbung sucht man nach Sportlern mit positivem und dennoch markantem Image. Vuckovic glaubt, das Anforderungsprofil erfüllen zu können. Wenn es denn klappt mit den großen Verträgen, die ihm seine Berliner Vermarktungsagentur Jopp vermitteln soll, wird er wohl trotz üppigerer Summen der gleiche Anlegertyp bleiben. "Eigentlich ist er ein echter Schwabe", urteilt Freundin Anja, in Sydney Achtzehnte des Frauen-Triathlons, über die Finanzmentalität ihres Lebensgefährten. Entsprechend vorsichtig hat er nur rund 20 Prozent seines Vermögens in Aktien und Aktienfonds investiert. Der größere Batzen ist in eine große Penthouse-Wohnung investiert, die er vermietet hat.

Solide ist er, aber nicht durch und durch. Den Wunsch seiner Eltern wird er vorläufig nicht erfüllen. "Ich hatte ihnen versprochen, nach Olympia mein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens abzuschließen", erzählt Vuckovic. Jetzt aber, wo "täglich noch 15 bis 20 Anrufe als Folge von Sydney kommen" und er darüber hinaus das "beste Triathlon-Alter" für sich erst noch kommen sieht, wird das Projekt Studiumabschluss noch einmal verschoben. "Mein Marktwert steigt und steigt. Und wenn ich mit dem Sport ausreichend verdiene, werde ich mir später einen Job suchen, bei dem ich nicht 70 Stunden pro Woche arbeiten muss."

Derzeit wird eher 50 Stunden trainiert. Um dem glänzenden Jahr 2000 ein weiteres Topjahr folgen zu lassen und mehr als jene fünf Starts absolvieren zu können, die er dieses Jahr absolvierte. "Aber auch 2001 werden es maximal zehn sein", kündigt Vuckovic an und weiß selbst, dass seine Präsenz und daher auch die seiner Werbepartner knapp bemessen ist. Zum Glück gibt s noch das Fernsehen. Doch auch da ist man als Fast-Olympiasieger nicht immer gefragt. Als seine Agentur ihn bei der Show seines schwäbischen Landsmann Harald Schmidt anbot, gab es eine Absage. Kurz zuvor war bereits Triathlon-Kollege Lothar Leder zu Gast gewesen. Für einen weiteren Ausdauersportler zwischen all den Viva-Moderatorinnen und Daily-Soap-Darstellerinnen war kein Platz.

Stephan Vuckovic wird es verkraften. Erst recht, wenn er an der Börse wieder ein glückliches Händchen hat. Als Freundin Anja "mal zufällig Geld übrig hatte", gab er die richtigen Tipps. Der Ratgeber lacht: "100 Prozent hat sie damit schon gemacht. 100 Prozent fürs Nichtstun." Kein Wunder, dass sie so frisch aussehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%