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Sternenstaub war Voraussetzung für das Leben

Washington/Darmstadt (dpa) - Deutsche Forscher haben neue Hinweise darauf entdeckt, dass das Leben auf der Erde mit Hilfe von Kometenstaub entstanden sein könnte. In kosmischen Teilchen fanden sie mit der amerikanischen Sonde «Stardust» im All Moleküle.

Washington/Darmstadt (dpa) - Deutsche Forscher haben neue Hinweise darauf entdeckt, dass das Leben auf der Erde mit Hilfe von Kometenstaub entstanden sein könnte. In kosmischen Teilchen fanden sie mit der amerikanischen Sonde «Stardust» im All Moleküle.

Moleküle sind eine von vielen Voraussetzungen für die Produktion von Erbmaterial. Diese Moleküle namens «PQQ-artige Co-Enzyme» seien nun erstmals im Kometenstaub nachgewiesen worden, erläuterte Jochen Kissel, emeritierter Kometenfroscher vom Max-Planck für Aeronomie-Institut in Katlenburg-Lindau. Die Stoffe seien ein wichtiger Teil der Kette auf dem Weg zum Leben. Kissel: «PQQ-artige Co-Enzyme kommen in allen Lebewesen vor, außer bei den Archaebakterien.»

Bislang tappte die Wissenschaft nach Information des Darmstädter Physikers Franz Krueger bei der Frage nach der Entstehung der Gene im Dunkeln. Die Enzyme, die den Prozess anregen, entstehen ihrerseits nur, wenn bereits ein genetischer Code existiert. «Das ist die berühmte Frage nach der Henne und dem Ei. Jetzt wissen wir, dass eines der beiden aus dem All kam.» Kissel und Krueger haben die Studie zusammen mit amerikanischen Forschern im US-Fachjournal «Science» (Bd. 304, S. 1774) vom Freitag veröffentlicht.

Zusammen mit Wasser und anderen Faktoren könne so Leben entstanden sein, sagte Kissel. «Die PQQ-artigen Co-Enzyme selbst entstehen mit Hilfe kosmischer Strahlung aus vorhandenen Molekülen auf der Oberfläche mineralischer Teilchen.»

Der Eintrag von Sternen-Staub auf die Erde hat heute laut Krueger keine Auswirkungen mehr auf das Leben. Da das Leben heute selbst sein Erbmaterial produziere, «werden fremde Informationen einfach vernichtet.»

Krueger gehört zu den Entwicklern des Spektrometers, das in die NASA-Sonde «Stardust» eingesetzt wurde. Mit dem Spektrometer können die Partikel direkt im All unter die Lupe genommen werden. Von den Mitbringseln der «Stardust» erwartet er sich nun dagegen nicht mehr allzu viel. Die Teilchen fliegen mit mehr als 20 Kilometern pro Sekunde durch den Weltraum. «Wenn sie beim Einsammel abgestoppt werden, verdampfen sie einfach.»

Die Raumsonde startete vor fünf Jahren mit dem Auftrag, interstellaren Staub und Partikel aus dem Schweif des Kometen «Wild 2» einzufangen. Sie wird nach einer Reise von 5,2 Milliarden Kilometern mit ihrer Ladung Anfang 2006 auf der Erde zurückerwartet.

Für Krueger spricht nun vieles dafür, dass die chemische Evolution auf der Erde vor 3,6 Milliarden Jahren durch den Einschlag von Sternen-Staub ihren Anfang nahm. Noch heute fallen nach Angaben von Krueger jährlich rund 4000 Tonnen stellares Material auf die Erde.

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