Stete Zuflüsse und gute Aussichten
Experten nennen aussichtsreiche Dividendenpapiere

Hohe Dividendenrenditen in der Vergangenheit sind kein Garant für weiterhin satte Zahlungen. Wichtig ist das fundamentale Umfeld. Bei einigen Titeln aus Europa und Deutschland stimmen beide Faktoren - Zugreifen kann sich lohnen.

Eine stolze Dividendenrendite von 72 Prozent! So viel bietet derzeit die Aktie der Goldzack AG - scheinbar. Denn dass das mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfende Handelshaus auch in Zukunft eine ähnlich hohe Ausschüttung darstellen wird, muss stark bezweifelt werden.

Das krasse Beispiel zeigt, dass das Kriterium der Nachhaltigkeit das A und O bei Aktienauswahl anhand der Dividendenrendite ist. Schon bei der Deutschen Telekom und der France Télécom, den jeweiligen Dividendenrenditen-Spitzenreitern im Dax beziehungsweise dem Euro Stoxx- 50-Index, wird deutlich, dass Anleger die Ausschüttung des abgelaufenen Geschäftsjahres nicht als Garant für weiterhin hohe Renditen nehmen können: So hat die Deutsche Telekom ihre Dividende für 2001 um 40 Prozent auf 37 Cent gekürzt - auch wenn dann immer noch noch eine erkleckliche Rendite von 3,63 Prozent herausspringt, ist die Gefahr groß, dass damit noch nicht das Ende der Ausschüttungskürzungen markiert ist.

Das gilt ebenso für den französischen Telekommunikationswert: Für 2001 hatte France Télécom angeboten, die Dividende in Höhe von einem Euro plus steuerlicher Komponente in bar oder Aktien auszuzahlen. Der französische Staat als Großaktionär akzeptierte die Aktien. Doch Analysten fürchten, dass für 2002 auf einer Barzahlung bestanden wird - und dass "auf Grund der finanziellen Lage des Unternehmens dann eine deutliche Kürzung der Dividende ansteht", erklärt Peter Wirtz von WestLB Panmure.

T-Aktie: Stabile Dividende erwartet

Dennoch: Analysten gehen bei der T-Aktie mehrheitlich von einer zumindest stabilen Dividende für das Jahr 2002 aus. "Die Deutsche Telekom wird das Dividendenniveau halten, um die Aktionäre nicht noch mehr zu vergraulen", heißt es dazu etwa bei der Hypo-Vereinsbank. Pluspunkte, die die Münchener dafür ins Feld führen: Die positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung bei T-Mobile und T-Online setze sich fort, und der aktuelle Kurs der T-Aktie liege unter dem Substanzwert von 20 Euro.

Auch Rolf Elgeti von Commerzbank Securities ist auf der Seite der Optimisten: "Der Markt ist zwar besessen von den Schulden der beiden Firmen, die ohne Frage hoch sind," so der Experte, "doch sie liegen in einem Rahmen, der nicht untragbar ist." Die Cash-Flows beider Unternehmen seien hoch genug, so dass eine Refinanzierung auch ohne neues Eigenkapital erreicht werden sollte.

Attraktive Titel in der Versicherungsbranche

Andere attraktiv bewertete Titel finden sich beipielsweise in der Versicherungsbranche. So wird der Versicherungsriese Axa vom fundamentalen Umfeld her als unterbewertet eingestuft. Gewinnchancen bieten sich nach Ansicht vieler Analysten auch bei Thyssen-Krupp, obwohl die Aktie, die auf Platz 2 der Dividendenrendite-Hitliste der Dax-Titel steht, teuer ist. Die Hypo-Vereinsbank etwa erwartet eine Outperformance, wobei sie auf eine konjunkturelle Erholung in der zweiten Jahreshälfte setzt.

Positiv wird auch das Umfeld für Eon gesehen - zumal das Unternehmen bekannt gab, es wolle trotz geringeren Jahresüberschusses die Dividende erhöhen. So lobt etwa die Deutsche Bank die Konzentration auf die Kerngeschäftsfelder und den Ausbau der Position im Gasgeschäft. Und die Kosten seien erfolgreich gesenkt worden. In dieser Hinsicht sieht es dagegen bei Metro - die immerhin letztes Jahr eine vorzeigbare Dividendenrendite aufwiesen - nicht gut aus: Die Deutsche Bank etwa bemängelt, dass mittelfristig keine Trennung von ertragsschwachen Sparten zu erwarten sei.

Tummelplatz für Renditeperlen

Nach den Kursrückgängen der vergangenen Monate ist die so genannte "zweite Reihe" mittlerweile zu einem wahren Tummelplatz für Renditeperlen geworden. Dabei finden sich mit Gildemeister, IWKA, Indus-Holding, Jungheinrich und Dürr überdurchschnittlich viele Maschinenbauwerte in der Gruppe der Dividendenspitzenreiter im MDax. Einer der Gründe dafür: Die Anleger sind der Ansicht, dass der erwartete Konjunkturaufschwung in der Maschinenbaubranche später als erwartet kommen wird. Das hat die Kurse gedrückt, bringt aber auch die Dividende in dem einen oder anderen Fall in Gefahr.

Beim Gildemeister ist etwa Stefan Maichl, von der Landesbank Baden-Württemberg, verhalten vorsichtig. "Bei der Gewinnentwicklung bin ich eher pessimistisch, da die Umsatzrückgänge auf Grund der schwachen Konjuktur meines Erachtens nicht durch Kosteneinsparungen zu kompensieren sind." Bislang hat Gildemeister-Chef Rüdiger Kapitza nicht klar gesagt, dass er wieder 60 Cent zahlen wird. "Wenn sich die Konjunktur erholt, wird er wohl Dividendenkontinuität wahren", glaubt Maichl.

Auch die Situation bei Jungheinrich und Indus sieht Eggert Kuls vom Bankhaus M.M.Warburg gelassen: "Indus hat in den vergangenen Geschäftsjahren von Mal zu Mal die Dividende erhöht. Ich bin mir zwar nicht sicher, dass das auch für das laufende Geschäftsjahr der Fall sein wird, aber ich halte eine Kürzung für sehr unwahrscheinlich." Langfristig rechnet der Analyst sogar damit, dass es mit den Dividenden und auch mit dem Kurs bergauf geht. Und auch bei Jungheinrich sieht Kuls nicht, dass sich die schwache Branchenkonjunktur nachhaltig auf die Dividende auswirkt. "Im Gegenteil: Ich erwarte Positives von dem Wert in den kommenden Jahren."

Entwarnung gibt Thorsten Zimmermann von HSBC Trinkaus & Burkhardt bei einem anderen Wert: Norddeutsche Affinerie. "Zwar sehe ich dort im laufenden Geschäftsjahr einen deutlichen Einbruch bei Umsatz und Gewinn. Das Management ist sich aber bewusst, dass es im Markt als dividendenstarkes Papier wahrgenommen wird. Es wird deshalb wohl die Dividendenhöhe mit aller Kraft verteidigen." Aufgrund der Branchenschwäche bleibt er vorerst aber beim Urteil "reduzieren".

Bei Dyckerhoff zugreifen

Geht es nach den Analysten, dann kann der Anleger auch bei Dyckerhoff einigermaßen beruhigt zugreifen. "Angesichts eines geschätzten Gewinns von 1,08 Euro im laufenden Geschäftsjahr wird die reguläre Dividende von 75 Cent wieder gezahlt", rechnet Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe vor. Ein stichhaltiger Grund für seine Annahme: die Eigentümerstruktur. "Gerade bei den Familieneigentümer hat sich gezeigt, dass diese an einer kontinuierlichen Ausschüttung interessiert sind." So merke: Auch die Reichen halten sich ihren Goldesel.

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