Stetige Zahlen: Unternehmen mit verlässlichem Gewinnwachstum

Stetige Zahlen
Unternehmen mit verlässlichem Gewinnwachstum

Es gibt am europäischen Aktienmarkt Unternehmen mit recht verlässlichem Gewinnwachstum. Ein Vergleich der Kandidaten.

Wie sähe die ideale Zahlenwelt der Börsianer aus? Zum Beispiel so: Die Aktien zeigen ein stetiges Gewinnwachstum und sind trotzdem, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), noch nicht zu teuer. Beide Merkmale geben Sicherheit. Eine stetige Gewinnentwicklung dürfte die Schätzungen für künftige Jahre erleichtern und ein niedriges KGV deutet an, dass trotzdem noch nicht zu viel Hoffnung in den Kursen steckt.

Es gibt solche Kandidaten im Dax-30 und im Euro-Stoxx-50, dem jeweils führenden Börsenindex in Deutschland und in Euroland: zum Beispiel Adidas-Salomon, Aegon, Ahold, BBV, BSCH, Eon, ING, Linde und RWE. Diese Zusammenstellung ist kein in sich ausgewogener Anlagevorschlag, es handelt sich lediglich um Aktien, die den Kriterien - gute Aussichten, günstige Bewertung - genügen. Allerdings sind mit den Bereichen Handel und Konsum (Ahold und Adidas-Salomon), Versicherungen, Banken, Versorgern und Maschinenbau (Linde) durchaus interessante Branchen enthalten, die bei einem Anziehen der Konjunktur zum Teil deutlich profitieren dürften.

Grundlage der Auswahl ist jeweils die durchschnittliche Gewinnschätzung der Analysten für die kommenden Jahre. Solche Schätzungen sind naturgemäß mit großer Unsicherheit behaftet, trotzdem spiegeln die Durchschnitte wahrscheinlich repräsentativer als jede andere Zahl das derzeitige Expertenwissen zu den Titeln wider.

Es fällt auf, dass in einigen Fällen ähnliche Titel nebeneinander in der Liste stehen. Zum Beispiel gleich zwei deutsche Versorger. Der Anleger hat die Wahl. Aktienanalyst Mario Kristl von Helaba Trust meint dazu, RWE habe die Nase vorn, und das nicht nur wegen des jüngst geglückten Einstiegs in das tschechische Gasgeschäft. Dem Experten gefällt vor allem die ausgewogene Geschäftsstruktur des Essener Konzerns: Während Veba sich auf Strom und Gas konzentriert, baut RWE das Geschäft mit dem Wasser und dem Umweltbereich aus. RWE sei direkt mit dem französischen Suez-Konzern vergleichbar und daran gemessen unterbewertet.

Die beiden spanischen Bankriesen BBV und BSCH - ebenfalls beide in der Tabelle - sind wegen der Argentinienkrise für vorsichtige Anleger im Moment nicht unbedingt die erste Wahl, weil beide in diesem Land stark engagiert sind. Die Frage ist auch, ob die Probleme in Lateinamerika bereits in den Gewinnschätzungen berücksichtigt sind. Carsten Werle von der West-LB erläutert zum Vergleich der beiden Unternehmen, BBV sei von der Geschäftspolitik her "etwas konservativer". Sein Kollege Alexandro Ruyra von Morgan Stanley pflichtet ihm bei: Bei BBV hingen rund 20 Prozent der Bewertung vom Lateinamerika-Geschäft ab, bei BSCH hingegen 35 bis 40 Prozent. Diese Einschätzung ist vor allem für langfristig eingestellte Anleger interessant. Wer kurzfristig investiert, sollte auch auf die aktuelle Bewertung schauen, und da lag zuletzt BSCH recht günstig.

Weniger direkt zu vergleichen sind die beiden niederländischen Aktien Aegon und ING. Während Aegon stark auf das Lebensversicherungsgeschäft setzt und dabei einen deutlichen Schwerpunkt in den USA hat, ist ING stärker auf Europa ausgerichtet und gilt als klassischer Allfinanzkonzern mit Bank- und Versicherungsgeschäft. Lewis Phillips von Fox, Pitt-Kelton meint, das Engagement im Bankgeschäft sei zurzeit nicht unbedingt ein Vorteil, zumal ING rund 750 Mill. Euro an Krediten in Argentinien ausstehen habe. Trotzdem glaubt er, dass die Mischung der Geschäftsbereiche und der Regionen insgesamt ING einen leichten Vorsprung verschafft.

Adidas war mit einem Plus von knapp 27 Prozent im abgelaufenen Jahr Spitzenreiter im Dax vor SAP. Dennoch ist der Titel auch jetzt noch nicht sehr teuer. Von Morgan Stanley gibt es eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 92 Euro. M.M. Warburg rät aus charttechnischer Sicht aber eher zu Gewinnmitnahmen.

Ahold ist als Einzelhandelskonzern auch in Argentinien gut vertreten. Das starke Standbein in den USA hat den Niederländern aber gute Gewinne beschert. Die Amerikaner seien nach den Anschlägen im September häuslicher geworden und gäben mehr Geld in Geschäften aus, teilte das Unternehmen mit.

Linde ist als Anlagenbauer sehr stark von der Industriekonjunktur abhängig. Das Unternehmen hat im Dezember aber auch seinen medizinischen Bereich mit der Übernahme einer Sparte von Messer Griesheim gestärkt. Im November musste Linde jedoch seine Gewinnprognose nach unten revidieren. Die aktuellen Analystenurteile zu Linde sind verhalten, die Positionierung gilt jedoch als gut.

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