Stetiges Gewinnwachstum
Old Economy bleibt der sichere Hafen

Die Baisse an den Technologiebörsen droht nun auch auf Standardaktien überzugreifen. Das zeigt die Talfahrt im Dow-Jones-Index. Doch Analysten glauben nicht, dass defensive Titel nachhaltig unter Druck kommen. Viele Aktien seien unterbewertet und glänzten durch stetiges Gewinnwachstum.

DÜSSELDORF. Das verlangsamte Wachstum beim Privatkonsum in den USA war die Initialzündung: Der Dow-Jones-Index - bislang Fels in der Börsenbrandung - rutschte unter die 10 000-Punkte-Marke. Nachdem Unternehmen wie Wal-Mart, Dupont und American Express aus dem Dow sowie Bayer, BASF, MAN und Lufthansa aus dem Dax mit Gewinnwarnungen überraschten, fürchten Anleger jetzt ein Übergreifen der High-Tech-Krise auf alle Standardwerte. Im amerikanischen S & P-500-Index fielen im zweiten Quartal die operativen Unternehmensgewinne um mehr als 15 %. Das ist der stärkste Einbruch seit zehn Jahren. Auch im dritten Quartal dürfte es trotz der inzwischen sieben US-Zinssenkungen seit Anfang des Jahres zu kräftigen Einbußen kommen.

Nach den Zinssenkungen überwiegen die Chancen

"Im Markt steckt das Risiko, dass jetzt auch noch der Konsument einknickt. Wenn es dazu kommt, sind weitere Kursrückgänge wahrscheinlich. Allerdings ist dies nicht unser Szenario", stellt Matthias Jörss von Sal. Oppenheim klar. Zwar sieht er - wie viele seiner Kollegen - die Gefahr, dass die bisherige Stütze der US-Wirtschaft, die ungebrochen hohen Ausgaben der Verbraucher, einbrechen kann. Allerdings schätzen Experten die Wahrscheinlichkeit dafür nicht sehr hoch ein. "Viel eher ist möglich, dass viele traditionelle Sektoren von den aggressiven Zinssenkungen in den USA profitieren werden", glaubt Jörss.

"Die Chancen überwiegen gegenüber den Risiken", schlägt sich auch Kai Franke von der BHF-Bank auf die Seite der Optimisten - zumindest für die mittel- und langfristige Börsenperspektive. Die "extrem schlechte Stimmung" bei Fondsmanagern, Anlegern und Händlern sowie der "stark überverkaufte Markt" seien positive Zeichen. "In so einer Zeit reichen einige wenige gute Nachrichten aus, um die Kurse kurzfristig kräftig in die Höhe zu hieven", ist sich Franke sicher. Der Aktienresearchleiter rechnet nicht damit, dass der Dow noch deutlich einknicken wird. "Viele negative Daten seit Anfang des Jahres haben den Dow fast stabil gehalten. Das beweist eine relative Stärke. Deshalb ist davon auszugehen, dass der Dow eine Erholung anführen wird", sagt Franke. Unternehmen wie Procter & Gamble, Mc Donalds und Coca Cola seien kaum Konjunktur anfällig und profitierten auf Grund ihres hohen Auslandsanteils von einem schwächeren Dollar und damit stärkeren Euro. "Hinzu kommt, dass in den USA die Lagerbestände auf ein historisch tiefes Niveau gefallen sind und einige Frühindikatoren bereits wieder steigen", meint Franke und sieht gute Kurschancen.

In Europa setzen die Strategen auf Branchen, in denen nach wie vor gute Gewinne erwirtschaftet werden. Zu den wenig Konjunktur anfälligen Segmenten gehören Handel, Versorgung, Logistik und Nahrungsmittel. Unter den deutschen Aktien empfehlen Analysten aber keinen Wert der "Old Economy", sondern die Deutsche Telekom. "Wenn sich der Markt erholt, wird die T-Aktie kräftig nach oben laufen, auch wenn jetzt noch niemand dem Wert etwas positives abgewinnen kann", meint Franke. Die hohe Index-Gewichtung, der kräftige Kursverfall und der Eindeckungsbedarf vieler Shortseller - also Spekulanten, die auf fallende Kurse setzen - verleiht der T-Aktie nach Meinung vieler Analysten großes Potenzial. "Die Ängste vor einem Aktienüberhang angesichts der anstehenden Verkäufe einzelner Großaktionäre sind unangemessen hoch", urteilt Jörss.

Zeichen für die negative Übertreibung

Neben der T-Aktie, die von einigen Häusern weniger aus fundamentalen Gesichtspunkten empfohlen wird, begünstigen Analysten unterbewertete Aktien - gemessen an traditionellen Bewertungsmaßstäben. So sieht Jörss das "extreme Abschlachten" bei einigen Sektoren wie Bau als Zeichen der negativen Übertreibung an den Börsen. "Einige Konsumwerte sind inzwischen wieder positiv zu sehen. Douglas wächst stark, ohne dass die Bewertung hoch ist", lobt Jörss den Lifestyle-Konzern, der bislang dem schwierigen Einzelhandelsumfeld trotzt. Auch UBS Warburg, Hypo-Vereinsbank und West LB raten zum Kauf.

Positiv sehen Analysten inzwischen auch die einst arg gebeutelte Daimler-Chrysler-Aktie. Die Experten sind sich sicher, dass Chrysler auf dem Weg der Gesundung ist und der Konzern die selbst gesteckten Ziele mindestens erreichen wird. Credit Suisse First Boston empfiehlt den Titel zum "Kauf" und rät Anlegern, sich nicht durch die jüngste Gewinnwarnung des Konkurrenten Ford beunruhigen zu lassen.

Häufig auf den Empfehlungslisten steht auch Preussag, künftig Tui. Touristik ist eine der wenigen Branchen, die stetig wächst. So stiegen im ersten Halbjahr die Einnahmen in der Tourismussparte um 31,8 %. Ein um 41,6 % höherer Vorsteuergewinn vor Firmenwertabschreibungen gebe einen viel versprechenden Ausblick für den Rest des Jahres, meint Merck Finck und rät wie auch das Bankhaus Metzler und M.M. Warburg zum Kauf.

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