Steuerbeschlüsse trüben Aussichten zudem ein
Bauwirtschaft geht es weiterhin schlecht

Die Daten für die ersten drei Quartale 2002 zeigten entgegen der Erwartungen vom Jahresbeginn keine günstige Entwicklung, sagte der Präsident der Bundesvereinigung, Heinz-Werner Bonjean, am Dienstag in Berlin.

Reuters BERLIN. So hätten die Bauinvestitionen von Januar bis September ein Volumen von 162,5 Mrd. Euro erreicht. Damit lägen sie um 5,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Bonjean sagte, wegen der jüngsten Steuerbeschlüsse der Bundesregierung verspreche auch 2003 für die Branche wenig Positives. "Wieder einmal werden wir einen massiven Rückgang zu verzeichnen haben." 2004 seien im Wohnungsneubau sogar Rückgänge im zweistelligen Bereich denkbar.

Wegen der stetig sinkenden Bauinvestitionen hätten allein in den ersten neun Monaten 2002 rund 162 000 Menschen ihre Arbeit im Baugewerbe verloren, sagte Bonjean weiter. Als Gründe für den negativen Ausblick 2003 nannte Bonjean die von SPD und Grünen geplanten Gesetze zur Immobilienbesteuerung und zur Eigenheimzulage. Ein erwartetes Wirtschaftswachstum von einem Prozent im Jahr 2003 werde der Branche zudem kaum Impulse geben können, hieß es.

Die bisher vorliegenden Daten für die ersten drei Quartale 2002 zeigten entgegen der Erwartungen vom Jahresbeginn keine günstige Entwicklung, sagte Bonjean. So hätten die Bauinvestitionen mit 162,5 Mrd. Euro um rund 5,7 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Auch für das Gesamtjahr sei davon auszugehen, dass die Investitionen um mindestens 5 % gegenüber denen aus 2001 liegen würden. Im bisherigen Jahresverlauf seien die Investitionen im Wirtschaftsbau um 6,6 %, im Wohnungsbau um 5,6 % und im öffentlichen Bau um 4,6 % gesunken. "Der anhaltende Rückgang der Bauinvestitionen drückt die Beschäftigung im Baugewerbe", sagte Bonjean. Im dritten Quartal seien noch 2,466 Millionen Menschen im Baugewerbe beschäftigt gewesen. Das entspreche im Jahresvergleich einem Rückgang um 6,3 %. Die Bundesvereinigung Bauwirtschaft vertritt rund 300.000 Betriebe. Die Branche leidet seit Jahren am Abbau der Überkapazitäten, die Anfang der 90er Jahre aufgebaut wurden.

Kritik am Kurs von Rot-Grün

Wie schon vor zwei Wochen der Zentralverband Baugewerbe, übte auch die Bundesvereinigung Bauwirtschaft scharfe Kritik am Wirtschaftskurs der Regierung und äußerte die Befürchtung, die Pläne würden die Branche weiter nach unten reißen. So werde die Eigenheimzulage faktisch abgeschafft, kritisierte Bonjean. Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien sollen künftig mit 15 Prozent besteuert und Abschreibungen für Mietwohngebäude begrenzt werden. "Der Motor für den privaten Wohnungsbau wird dadurch abgestellt", bemängelte Bonjean.

Die Wirkung dieser Maßnahmen werde bereits 2003 einsetzen, aber erst 2004 voll zum Tragen kommen, sagte Bonjean. Im Wohnungsneubau sei dann sogar ein Rückgang im zweistelligen Bereich denkbar. Die Bundesregierung lasse sich allein von steuerpolitischen Überlegungen leiten und ignoriere wohnungspolitische und wirtschaftspolitische Aspekte. So stünden mit der Abschaffung der Eigenheimzulage bis zu 200 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

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