Steuerbonus für Skat
Achtzehn, zwanzig, zwo, drei... wech!

Die beste Idee dieser Legislaturperiode: Die PDS will das Skatspiel steuerlich fördern. Doch auch mit der Steuerdiskriminierung von Hallenmikado, Maumau verschärft und Ichsehewaswasdunichtsiehst muss endlich Schluss sein.

Wo wären wir heute, im Jahre zwölf nach der Wiedervereinigung, ohne das rastlose Wirken der Skatvereine? Wer hat uns blöden Deutschen das Denken beigebracht, wer hat uns zu eisenharten Strategen geschmiedet in all den Jahren, niemals ermüdend, ohne ein Wort der Klage, den Blick ernst und hart auf das Gemeinwohl gerichtet? Wer hat uns die Augen für die Schönheit eines gewonnenen Grand Hand ohne Vier geöffnet? Wer, wenn nicht die Skatvereine, verdient das Prädikat gemeinnützig?

Schonungslos legt die PDS den Finger in eine klaffende Wunde am Leib unseres Steuerstaats: Skat ist dem deutschen Staat kein Sport. Vereine, die sich der Pflege des Skatspiels widmen, werden nicht als gemeinnützig anerkannt und müssen infolgedessen Körperschaftsteuer zahlen. Wer spendet, muss dies aus seinem versteuerten Einkommen tun, und bei der kommunalen Sportförderung gehen die Skatclubs auch leer aus. Ist das gerecht?, fragt die PDS-Fraktion die Bundesregierung. Jeder Delfinschwimmer bekommt für sein albernes Herumgeplantsche die Steuersubventionen vorne und hinten reingestopft, und der ernste Wettstreit des Reizens, das stille Ringen zwischen der Macht des Trumpfes und der List des Ausspiels ist Finanzminister Eichel keine müde Steuermark wert? Ist das gerecht?

Jawohl, das ist gerecht, sagt die Bundesregierung. Sportvereine werden steuerlich gefördert, weil Sport gesund ist. Skat dagegen diene "neben seinem Unterhaltungswert ausschließlich der Übung intellektueller Fähigkeiten." Sie sei "der Auffassung, dass auch in Zukunft nicht auf das Merkmal der körperlichen Ertüchtigung als Voraussetzung für die Gemeinnützigkeit sportlicher Betätigungen verzichtet werden kann", heißt es in der Anwort auf die PDS-Anfrage (Bundestagsdrucksache 14/8553).

Aha. Da sieht man mal. Man könnte bitter werden. Wenn es nicht die PDS gäbe. Sie, ganz Partei des kleinen Mannes, steht wie immer mit erhobener Faust auf der Seite der Gerechtigkeit. Aber die Befreiung der Skatspieler vom Steuerjoch kann nur ein erster Schritt sein: Wer denkt an die Millionen von Kreuzworträtsellösern, von Fußballbildchensammlern, von Counterstrikespielern, von Hobbyköchen und Ally-McBeal-Guckern, die jeden Tag aufs Neue still und selbstlos an der Vervollkommnung des Menschen arbeiten? Ihr Freiheitskampf verlangt nach uneingeschränkter Solidarität. Es gibt noch Aufgaben für den Sozialismus im 21. Jahrhundert!

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