Steuerentlastung fließt nicht voll in den Konsum
RWI erwartet 2,8 % Wachstum in den nächsten zwei Jahren

ari DÜSSELDORF. Die Binnennachfrage wird in den kommenden beiden Jahren die langsamere Gangart im Export nicht voll ausgleichen können. Zu diesem Ergebnis kommt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen, in seiner jetzt veröffentlichten Dezember-Prognose. Danach bleibt die deutsche Konjunktur 2001 und 2002 zwar kräftig, das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) steige mit je 2,8 % aber langsamer als in diesem Jahr mit 3,1 %.

Im Juli hatte das RWI noch eine Beschleunigung von 3 % in diesem und auf 3,2 % im nächsten Jahr erwartet. Das Herbstgutachten von Oktober, an dem das Institut beteiligt war, ging dagegen nur noch von 2,7 % BIP-Anstieg in 2001 aus. Der Sachverständigenrat prognostizierte einen Monat später 2,8 %. Mit der Erwartung für 2002 liegt das RWI auf der Linie der EU-Kommission. Dagegen rechnet die OECD mit einer weiteren Verlangsamung des deutschen Wachstums von 2,7 % auf 2,5 % in 2002.

Exportanstieg normalisiert sich

Maßgeblich für die RWI-Prognose ist die Erwartung, dass neben der Verlangsamung des Welthandelsanstiegs von 13,5 % in diesem Jahr auf 10 % im nächsten und 8 % im übernächsten Jahr - der private Verbrauch mit 2,4 % und 2,2 % unterdurchschnittlich zunehmen wird. Er leide 2001 noch unter den Entzugseffekten auf Grund der Ölverteuerung in diesem Jahr. Die Verbesserung des Nettoeinkommens durch die Steuerreform werde deshalb wohl erst verzögert und eher zurückhaltend in Konsum umgesetzt. Zudem zeige die straffere Geldpolitik Spuren.

Die Investitionen in Ausrüstungen und sonstige Anlagen wie Software steigen nach Ansicht des RWI weiter rege (9 bis 10 %). Die Bauinvestitionen nähmen 2001 nochmals um 1 % ab und belebten sich erst 2002 allmählich (+1 %). Der Exportanstieg "normalisiere" sich auf 8,9 % (2001) und 6,4 % (2002). Der Importanstieg wird auf 7,9 % und 6 % veranschlagt.

Die Risiken haben sich erhöht

Das Wachstum in Ostdeutschland fällt nach der RWI-Prognose auch 2001 mit 2,5 % weniger stark aus als im Westen (3,3 %), 2002 sei in beiden Regionen mit gleich hohen Raten zu rechnen. Entsprechend bleibt der Ost-Arbeitsmarkt in einer schwierigen Verfassung. Erst 2002 ist dort eine leichte Abnahme der Arbeitslosigkeit und ein Anstieg der Beschäftigung um etwa 30 000 zu erwarten. Bundesweit sieht das RWI die Beschäftigung 2001 um 400 000 und 2002 um 360 000 steigen. Die Arbeitslosenquote werde in zwei Jahren im Westen unter 6 % liegen, im Osten aber bei 17,5 %.

Der Preisauftrieb lasse mit sinkenden Ölpreisen und einer zu erwartenden Euro-Aufwertung (Ende 2002: 1,10 $) allmählich nach. Im Jahresdurchschnitt 2001 prognostiziert das RWI aber noch eine Teuerung von nahezu 2 % (2002: 1,5 %). Dazu trägt auch die nächste Ökosteuerstufe bei. Unterstellt ist bei der Prognose ein Rückgang des Rohölpreises auf 25 $ je Barrel, eine sich allenfalls geringfügig verschärfende Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, eine beschäftigungsorientierte Tarifpolitik, sowie eine sanfte Konjunkturabschwächung in den USA. Eine "harte Landung" erhöhe das Rückschlagsrisiko für Deutschland. Ein weiteres Risiko sei der Ölpreis. Verharre er bis 2002 auf hohem Niveau, werde die Konjunktur weltweit stärker gedämpft

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