Steuererklärung: Alle Jahre wieder

Steuererklärung
Alle Jahre wieder

Ein Griff nach der Steuererklärung, und die Suche geht los - zum Beispiel nach Belegen zu Kapitalerträgen.

Heute schon in den Briefkasten geschaut? Sie kommt bestimmt, die Lohnsteuerkarte für das Jahr 2001 - und erinnert viele Menschen an eine lästige Aufgabe: die Einkommensteuererklärung. Eine Pflicht wird daraus, sofern

Ehepaare sich gemeinsam zur Steuer veranlagen lassen,

Ehepartner/Ledige zwar keine lohnsteuerpflichtige Tätigkeit ausgeübt haben, aber der Gesamtbetrag der Einkünfte im vorigen Jahr 28 403/14 201 DM überstieg,

ein Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen wurde,

die Einkünfte eines Arbeitnehmers, von denen keine Lohnsteuer abgezogen wurde, 800 DM überschritten haben.

"Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen", gilt für alle, die mit einer Steuererstattung rechnen. Warum soll der Staat zu viel kassiertes Geld behalten, das einem selbst Zinsen einspielen könnte? Wer dagegen eine Nachzahlung befürchtet, lässt sich besser Zeit - und zwar bis zum 31. Mai, falls Erklärungspflicht besteht. Die Frist verlängert sich bei der Abgabe der Erklärung über einen Steuerberater automatisch bis zum 30. September, kann von ihm mit einem freundlichen Brief auf den 28. Februar des Folgejahres und im Einzelfall gut begründet noch weiter verschoben werden.

Übrigens: Wer in diesem Jahr absehbar hohe Werbungskosten und Sonderausgaben hat, sollte Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Die Beträge in Euro eintragen, bittet das Finanzamt, auch wenn die Belege, die die Ermäßigungsansprüche glaubhaft machen sollen, noch aus dem vergangenen Jahr stammen und auf DM lauten. Die Tabelle "Der Euro . . ." bietet eine Auswahl der zu beachtenden Grenzen in diesem wie dem abgelaufenen Veranlagungszeitraum (Vz).

In der Anleitung zur Erklärung für das Jahr 2001 heißt es dagegen noch: "Sollten Sie Belege und Rechnungen in Euro erhalten haben, rechnen Sie diese Beträge bitte in DM um." Die Währung ist noch die alte, die Vordrucke bieten aber Neues. Zum Beispiel in der Anlage "KAP" für die Kapitaleinkünfte, mit der sich diese "Investor"-Ausgabe intensiver befasst:

Zeilen 23 bis 26: Hier gehören Dividenden aus Aktien und solche, die Investmentfonds weiterreichen, hinein, soweit für sie das Halbeinkünfteverfahren gilt. Das Halbeinkünfteverfahren besagt, dass nur die Hälfte der Dividende in die Steuerbemessungsgrundlage für Einkünfte aus Kapitalvermögen einbezogen wird. Obwohl seit Beginn des Vorjahres in Kraft, trifft dies im Vz 2001 vor allem auf Dividenden aus dem Ausland zu. Für Dividenden deutscher Gesellschaften gilt noch das Anrechnungsverfahren. Denn sie zahlten im vergangenen Jahr ihre Dividenden aus den mit Körperschaftsteuer (KSt) belasteten Gewinnen des Jahres 2000. Konsequenz für in Deutschland aufgelegte, international anlegende Aktienfonds: Sie müssen die Dividenden nach in- und ausländischer Herkunft aufsplitten, denn sie reichen die KSt-Gutschrift an den Anleger durch. Er muss die Dividenden getrennt eintragen. Die inländischen gehören in Zeile 19.

Einfacher haben es Inhaber eines ausländischen, aber in Deutschland zugelassenen Aktienfonds. Ob in- oder ausländische Dividenden, Zinsen oder Erträge aus Termingeschäften - alle diese Erträge würden wie Zinsen behandelt, also in einem deutschen Depot zunächst mit 30 Prozent Zinsabschlagsteuer (ZASt) belegt, sagt Fondsexperte Andreas Patzner von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Die Erträge gehören unter "ausländische Kapitalerträge" in Zeile 33.

Im Übrigen bleibt es in der "KAP" beim bekannten Schema. Meist helfen Erträgnisaufstellungen der Banken bei der Zuordnung der Kapitaleinkünfte.

Zeile 6 und 8: Neben ausgezahlten Anleihezinsen bzw. ausgeschütteten oder thesaurierten Fondsgewinnen sind dort auch die seit der letzten Auszahlung aufgelaufenen Stückzinsen bzw. Zwischengewinne (siehe Glossar) zu nennen. In Zeile 8 sind außerdem Einkünfte aus Finanzinnovationen aufzuführen. Dazu zählen beispielsweise aus dem Anleihen-Repertoire: Anleihen, deren Verzinsung während der Laufzeit steigt oder fällt, an den Finanzmärkten Step-up- bzw. Step-down-Anleihen genannt, Gleitzinsanleihen (Floater), deren Zinszahlungen von einem Referenzzinssatz abhängen, Nullkupon-Anleihen (Zerobonds), Bundesschatzbriefe vom Typ "B", bei denen die Zinsen am Laufzeitende ausgeschüttet werden, Indexanleihen, deren Zinszahlung zum Beispiel vom Lebenshaltungskostenindex abhängen, außerdem Disagioanleihen, deren besonderes Merkmal ein Ausgabeabschlag ist, der die in einer Disagiostaffel festgelegten Grenzen überschreitet, und Aktienanleihen. Bei letzteren entscheidet der Emittent am Rückzahlungstag, ob er Geld überweist oder Aktien liefert.

Zeile 10: Die Zinsen aus einer Wandelanleihe sind steuerpflichtig, nicht jedoch ein Wandlungsgewinn auf Grund eines seit Emission oder Kauf gestiegenen Aktienkurses.

Zeilen 17 bis 19: Dividenden, auf die es KSt-Gutschriften gab.

Zeilen 30 bis 35: Die Zinsen und Dividenden, die ausländische Schuldner bzw. Gesellschaften zahlen, sind einschließlich Quellensteuer, auch der fiktiven, einzutragen. Fiktive Quellensteuer peppt die Renditen mancher Schwellenland-Anleihe auf.

Außerdem wichtig: Ein Anleger, dessen Kapitalerträge den Freibetrag von 3 100 DM nicht überschritten haben, sollte die Anlage "KAP" ausfüllen, wenn er auf Grund eines Freistellungsauftrags KSt-Gutschriften bekam. Denn die vergütete KSt mindert die Bemessungsgrundlage für den Solidaritätszuschlag.

Ausländische Kapitalerträge sind außerdem im Vordruck "AUS" zu übernehmen. Auf diesen und die Anlage "SO", in der Spekulationsgewinne anzugeben sind, wird der "Investor" in einer der nächsten Ausgaben eingehen.

25.1.2001

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