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Steuererklärung: Die Anlage SO

Wesentlich interessanter ist für Sie und den Fiskus natürlich die Rückseite der Anlage SO (Sonstige Einkünfte). Was früher in drei Zeilen abgefragt wurde hat nun Platz auf dreißig Zeilen.

Grundstücksgeschäfte

Während der Fiskus durch die Notariatsmitteilungen auch schon in der Vergangenheit Ihre Aktivitäten in Sachen Grundstücksverkäufe nahezu lückenlos verfolgen konnte, werden Sie jetzt aufgefordert, die notwendigen Angaben in den ersten zehn Zeilen vorzunehmen. Der Vordruck ist insofern selbsterklärend, sollte aber auf jeden Fall mit einem Steuerberater durchgesprochen werden, da Sie schnell einen Abschreibungsbetrag übersehen können, der zu einer Minderung Ihres Spekulationsgewinns führen kann.

Wertpapiergeschäfte

In den Zeilen 41 bis 49 fragt der Fiskus die Daten Ihrer Spekulationsgeschäfte ab. Da der Platz hier nur für einen Vorgang ausreichend ist, müssten weitere Gewinne auf einer Anlage erläutert werden. Doch wie berechnen Sie den Spekulationsgewinn? Der Fiskus besteuert den Veräußerungsgewinn eines Wertpapiers (zum Beispiel Aktien) immer dann, wenn zwischen Kauf- und Verkauf ein Zeitraum von nicht mehr als zwölf Monaten liegt. Verkaufen Sie die Wertpapiere außerhalb dieser Frist, so erzielen Sie keinen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn. Verkaufen Sie aber innerhalb dieser Frist Ihre Wertpapiere mit Gewinn, sieht es schon anders aus. Jetzt sind Ihre Gewinne nur noch steuerfrei, wenn sie die Freigrenze nicht überschreiten.

Beispiel: Sie versprechen sich einen hohen Kursgewinn und erwerben am 7. Januar 2000 Aktien der P-AG für 29.335 Mark zuzüglich 150 Mark Ankaufspesen. Am 2. April 2000 haben die Aktien ein neues historisches Hoch erreicht, und Sie veräußern die Aktien für 117.349 Mark zuzüglich 587 Mark Verkaufskosten. In diesem Fall haben Sie die Rechnung ohne den Fiskus gemacht. Da zwischen An- und Verkauf der Aktien nicht mindestens zwölf Monate verstrichen sind, ist der Veräußerungsgewinn von 87.277 Mark in vollem Umfang steuerpflichtig.

Termingeschäfte

Ihre Angaben zu Termingeschäften (z. B. Handel mit Call und Puts, Futures, Optionsscheinen etc.) fragt der Fiskus in den Zeilen von 50 bis 60 ab. Hier will der Fiskus wissen, mit welchen Werten Sie welchen Gewinn gemacht haben. Es gelten die selben Grundsätze wie bei den Wertpapiergeschäften.

First in - first out

Bei der Berechung von Spekulationsgewinnen gilt seit der Entscheidung des Bundesfinanzhofs vom 24.11.1993, Aktenzeichen: X R 49/90, das First-in-First-out-Prinzip. Danach geht der Fiskus davon aus, dass immer die Aktien zuerst verkauft werden, die am längsten im Depot sind.

Achtung: Werden innerhalb der Spekulationsfrist mehrere Aktien verkauft, muss ein Durchschnittskurs ermittelt werden. Dieses Verfahren gilt auch für alle Formen von Aktien- oder sonstigen Fonds!

Beispiel: Sie erwerben innerhalb von 16 Monaten insgesamt 321 Aktien (siehe nachfolgende Tabelle) der P-AG. Nachdem die Kurse kräftig angestiegen sind, verkaufen Sie 280 Stück, um einen Teil der bisher erzielten Buchgewinne auch tatsächlich zu realisieren.



Depotbestand der P-AG-Aktien

Auftrag

Datum

Anzahl

Kurs (Euro)

1. Kauf

13.10.99

140

48

2. Kauf

10.02.00

60

63

3. Kauf

07.09.00

65

77

4. Kauf

04.02.01

56

71

5. Kauf

09.03.01

280

130

Bestand länger als ein Jahr
Die 200 Aktien der ersten und zweiten Kauforder liegen außerhalb der Spekulationsfirst; somit bleiben diese Gewinne steuerfrei.



Ermittlung des steuerfreien Gewinns

 

Anzahl

Kurs (Euro)

Betrag (Euro)

1. Kauf

140

48

6.720

2. Kauf

60

63

3.780

Summe

 

 

10.500

Verkauf

200

130

26.000

Steuerfreier Gewinn

 

 

15.500

Durchschnitts-Kurs ermitteln
Da es sich nicht feststellen lässt, welche der restlichen 80 Aktien aus der dritten und vierten Kauforder stammen, müssen Sie den Durchschnittskurs ermitteln:



Ermittlung des steuerfreien Gewinns

 

Anzahl

Kurs (Euro)

Betrag (Euro)

3. Kauf

65

77

5.005

4. Kauf

56

71

3.976

Summe

121

 

8.981

Durchschnittspreis je Aktie

 

 

74,22

Fiktiver Einkauf

80

74,22

5.937

Verkauf

80

130

10.400

Steuerpflichtiger Gewinn

80

55,78

4.462

Persönlicher Steuersatz
Der Fiskus besteuert jetzt die 4.462 Euro mit Ihrem ganz persönlichen Steuersatz.

Freigrenze

Damit nicht jeder Veräußerungsgewinn steuerpflichtig ist, hat der Gesetzgeber eine Freigrenze eingeführt. Im Gegensatz zu einem Freibetrag wird eine Freigrenze nur bis zu einem bestimmten Betrag gewährt. Sofern Ihre gesamten Spekulationsgewinne eines Jahres weniger als 1.000 Mark betragen, können Sie Ihren Gewinn steuerfrei vereinnahmen. Beträgt er aber genau 1.000 Mark und mehr, ist der Gesamtbetrag steuerpflichtig, und der Fiskus kennt keine Gnade. Der Spekulationsgewinn wird mit Ihren anderen Einkünften zusammengerechnet und unterliegt Ihrem ganz individuellen Steuersatz.

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