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Steuerlich liegt die Aktie vorn

Im kommenden Jahr gelten neue Regelungen für Erträge aus Dividendenpapieren.

HB DÜSSELDORF. Ob Aktien oder Renten die bessere Anlage sind - darüber könnte man endlos streiten. Aber sicher ist, dass Aktien steuerlich günstiger sind als festverzinsliche Papiere.

Für langfristig orientierte Anleger, die ihre Papiere mehr als ein Jahr behalten, gilt: Kursgewinne, die beim Verkauf realisiert werden, sind steuerfrei. Die laufenden Erträge, bei Rentenpapieren die Zinsen und bei Aktien die Dividenden, werden hingegen versteuert. Der Vorteil der Aktie ergibt sich, weil bei diesen Papieren in der Regel ein höherer Anteil der Erträge aus steigenden Kursen stammt als bei Rententiteln.

Da liegt es nahe, den Anteil der Kursgewinne bei den Anleihen künstlich zu erhöhen. Möglich ist das über den Kauf von Niedrigkuponanleihen. Der Kupon, also der nominale Zins, ist bei ihnen besonders niedrig. Dafür liegt der Kurs unter 100 %. Gegen Ende der Laufzeit steigt der Kurs automatisch an bis auf 100 %. Diese Kurssteigerung ergänzt den Nominalzins, so dass sich wieder die marktübliche Rendite ergibt. Dabei wird nur der Nominalzins versteuert, die Kurssteigerung bleibt frei, wenn der Anleger die Spekulationsfrist von einem Jahr überschritten hat.

Wegen des niedrigen Zinsniveaus gibt dieses Spiel zurzeit leider nicht viel her. Dafür kann bei normalen Anleihen der umgekehrte Effekt auftreten: Die Kaufkurs liegt über 100 % - das ist steuerlich schlecht.

Zinsen in künstliche Kursgewinne verwandeln

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, Zinsen in künstliche Kursgewinne zu verwandeln, die allerdings für private Anleger schwer umzusetzen sind: Fondsgesellschaften nutzen bei speziellen Rentenfonds die Möglichkeit, Eurobeträge für bestimmte Zeiträume und zu festen Kursen in Yen zu tauschen. Sie verwandeln damit einen Teil der Zinsen in Devisenkursgewinne.

Im kommenden Jahr gilt für alle Aktien das Halbeinkünfteverfahren: Dividenden und Spekulationsgewinne unterliegen nur noch zur Hälfte der Steuer. Dafür erhalten Anleger keine Gutschrift mehr für die Körperschaftsteuer, die das Unternehmen bezahlt hat. Statt bisher einmal voll beim Anleger wird künftig zweimal halb - einmal beim Unternehmen und das zweite Mal beim Anleger - besteuert. Vor allem für gut verdienende Anleger gilt: Die Aktie wird damit steuerlich eher noch attraktiver.

Wichtig sind noch zwei Grenzen: Bis 1 601 ? sind Dividenden und Zinsen steuerfrei (Freibetrag plus Werbungskostenpauschale für Kapitalerträge, für Ehepaare gilt der doppelte Satz). Bei einem Zinssatz von 4,5 % bleiben also gut 35 000 ? an festverzinslichem Vermögen vom Zugriff des Finanzamtes verschont. Spekulationsgewinne wiederum müssen erst ab 512 ? pro Jahr versteuert werden, dann allerdings komplett (Steuerfachleute nennen dies eine "Freigrenze" im Gegensatz zum Freibetrag). Viele Anleger unterschlagen bisher ihre Spekulationsgewinne. Aber das ist gefährlich - die Finanzämter dürften künftig intensiver nachforschen.

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