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Steuerliche Aspekte von Wandelanleihen

Für den Fiskus ist eine Wandelanleihe zunächst eine normale Schuldverschreibung. Zinsen aus der Anleihe müssen als Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Einkommensteuergesetz (EStG) versteuert werden.

rrl DÜSSELDORF. Beim Verkauf zwischen den Zinsfälligkeitsterminen zahlt der Käufer rechnerisch aufgelaufene Stückzinsen, während diese dem Verkäufer gutgeschrieben werden. Für den Käufer bedeuten die Stückzinsen negative Kapitaleinkünfte, für den Verkäufer positive. Doch wenn der Anleger dem depotführenden Kreditinstitut keinen Freistellungsauftrag vorlegt oder wenn die vom Steuerabzug freigestellte Summe von 1 601 Euro inklusive Werbungskostenpauschale überschritten ist, werden Wandelanleihen bereits anders behandelt als normale Festverzinsliche. Statt der üblichen 30 Prozent Zinsabschlagsteuer (ZASt) sind nur 25 Prozent fällig. Der eigentliche Clou ist aber ein steuerfreier Wandlungsgewinn, der beim Umtausch der Anleihe in Aktien entsteht, wenn zwischenzeitlich der Aktienkurs gestiegen ist.

Werden Wandelanleihen binnen Jahresfrist verkauft, bleibt ein privater Veräußerungsgewinn (§ 23 EStG) nur dann steuerfrei, wenn die Freigrenze von 512 Euro unterschritten wird. Jedoch hat der Bundesfinanzhof (BFH) im Falle des Wandels in Aktien eine Sonderregelung geschaffen. Danach gilt für den Aktienverkauf nach der Wandlung nicht erneut die Einjahresfrist. Vielmehr beginnt die Spekulationsfrist mit dem Erwerb der Wandelanleihe. Das ist aus dem Urteil vom 30.11.99 (Az.: IX R 70/96) herauszulesen. Dort ging es zwar um den Umtausch einer variabel verzinslichen Anleihe (Floating-Rate-Note) in eine festverzinsliche. Doch schrieben die Richter in das Urteil, "der Kauf der Floating-Rate-Notes und ihr Umtausch in Bonds stellt einen wirtschaftlich und steuerrechtlich einheitlichen Vorgang dar, der insoweit mit dem Umtausch von Wandelschuldverschreibungen in Aktien vergleichbar ist".

Wer sein Geld in Wandelanleihen-Fonds steckt, sollte bedenken, dass die Fonds in der Regel auch in Umtauschanleihen (Exchangeables) investieren. Statt Aktien des Anleiheemittenten werden solche einer anderen Gesellschaft geliefert. Im BMF-Schreiben vom 2.3.2001 (Az.: IV C 1 - S 2252- 56/01) steht: Eine Umtauschanleihe ist eine Finanzinnovation, deren Besteuerung § 20 Abs.1 Nr.7 und Abs.2 Nr.4c regelt. Die Begründung in Kurzform: Die Höhe der Erträge hängt von einem "ungewissen Ereignis" ab, weil im Zeitpunkt des Erwerbs der Umtauschanleihe noch nicht feststeht, ob später der Umtausch in Aktien vorgenommen wird. Warum dies bei Wandelanleihen anders ist, haben Steuerexperten noch nie verstanden. Anleger müssen allerdings die Konsequenz verstehen: Der realisierte Kursgewinn aus einer Finanzinnovation ist jederzeit zu versteuern, andererseits kann auch ein Verlust - unabhängig von irgendwelchen Fristen - steuermindernd geltend gemacht werden. Für Fondsanleger gilt: Sie werden steuerlich so gestellt, als ob sie die Papiere des Fonds selbst halten würden.

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