Steuerliche Nachteile
Garantie-Zertifikate: Begrenzte Gefahr

Garantiezertifikate haben gegenüber Fonds steuerliche Nachteile. Mit neuen Produkten können diese vermieden werden. Allerdings ist der Risikoschutz geringer. Im Allgemeinen arbeiten die Anlageinstrumente nach folgendem Prinzip: Wie auch bei normalen Zertifikaten partizipiert der Anleger an dem positiven Kursverlauf eines Index oder Aktienkorbes.

DÜSSELDORF. Hohe Gewinnchancen, kaum Risiken und dabei auch noch preisgünstig: Wer die Informationsbroschüren von manchen neuen Garantiezertifikaten durchliest, kann fast den Eindruck gewinnen, die ideale Anlagemöglichkeit sei gefunden. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich leider bei allen Produkten heraus, dass dies nicht ganz der Fall ist.

Im Allgemeinen arbeiten die Anlageinstrumente nach folgendem Prinzip: Wie auch bei normalen Zertifikaten partizipiert der Anleger an dem positiven Kursverlauf eines Index oder Aktienkorbes. Geht die Spekulation nicht auf, und der Index rauscht in den Keller, zeigen sich die Unterschiede. Am Ende der Laufzeit gibt es bei Garantiezertifikaten den Einsatz zum größten Teil zurück. Grundsätzlich gilt dabei: Je höher die Garantie auf das eingesetzte Kapital, umso geringer ist die Teilnahme an Kursgewinnen und umgekehrt. Die Partizipationsrate gibt an, zu wie viel Prozent ein Anleger vom Anstieg des Index profitiert. So bedeutet eine Quote von 73 Prozent beim "Europa-Garantie-Zertifikat" von Sal. Oppenheim (siehe Tabelle): Steigt der Index um 100 Prozent, steigt das Garantiezertifikat nur um 73 Prozent. Häufig geben die Produkte dabei die Dividenden nicht an die Investoren weiter. So wird eine höhere Absicherungs- und Partizipationsquote ermöglicht.

Ein großes Problem der Garantiezertifikate ist die steuerliche Situation. Der Fiskus wertet die Produkte nämlich als "Finanzinnovation". Die Folge: Auch wenn die Papiere länger als ein Jahr gehalten werden, sind die eventuell anfallenden Gewinne nach einer Veräußerung zu versteuern. Hier sind die konkurrierenden Garantiefonds ganz klar im Vorteil, da die Gewinne hier bis auf den Zinsertrag in der Regel nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei sind. Allerdings sind die Nebenkosten von vielen fondsbasierten Lösungen zumeist höher.

Die steuerliche Benachteiligung ärgert trotzdem die Herausgeber von Zertifikaten. "Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, warum zwei Produkte, die zum ökonomisch gleichen Ergebnis führen, steuerlich ungleich behandelt werden", sagt Markus Koch von UBS Warburg. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bei vielen Zertifikats-Experten, dass die Fondsbranche über ihren Lobbyverband BVI eben über die effizientere Interessenvertretung auf politischer Ebene verfügt. Die Zertifikate-Emittenten besitzen bislang keine Dachorganisation.

Doch neuerdings bringen die Emittenten immer mehr Sicherheits-Zertifikate auf den Markt, die so konstruiert sind, dass sie die Steuerpflicht aller Voraussicht nach umgehen (siehe Tabelle). Ein Beispiel dafür ist etwa das neue Pro-Europe- Zertifikat der WestLB. Wer das Papier kauft, profitiert 1 zu 1 von Kursgewinnen des Euro Stoxx 50. In diesem Index sind die 50 nach Börsenwert größten europäischen Unternehmen versammelt, das Investment ist also breit gestreut. Sinkt der Index, fängt ein eingebauter Puffer Verluste auf, allerdings nur bis zu einem Rückgang von maximal 20 Prozent (siehe Grafik). Fällt der Index noch stärker, treten für den Anleger Verluste auf, die aber geringer sind als bei einem Direktinvestment in den Index. Dieses Sicherungsinstrument wird aber nur dann wirksam, wenn das Produkt bis zum Ende der Laufzeit gehalten wird. Ein früherer Verkauf ist allerdings möglich.

"Bei diesen Produkten ist aus steuerlicher Sicht von Bedeutung, dass der Rückzahlungsbetrag ausschließlich vom Eintritt eines ungewissen Ereignisses abhängig ist", sagt Wolfgang Skorpel vom Bundesverband Deutscher Banken. Für derartige Papiere sei es deshalb anzunehmen, dass kein steuerlicher Kapitalertrag vorliegt und Veräußerungsgewinne nur dann zu versteuern sind, wenn sie innerhalb eines Jahres realisiert werden. Abschließend geklärt haben die Finanzbehörden diese Frage jedoch bislang noch nicht.

Auf der anderen Seite sollten sich Anleger bewusst sein, dass die Schutzvorrichtung der neueren Sicherheitspapiere viel geringer ist als bei den Vorgängermodellen. Bei einem massiven Kursrutsch hält der eingebaute Airbag nicht stand. "Mit den klassischen Garantiezertifikaten haben diese Produkte nicht viel gemein", sagt Joachim Zimmermann, Steuerexperte von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Ob in der gegenwärtigen Börsensituation allerdings überhaupt noch Produkte mit einem umfassenden Kapitalschutz notwendig sind, muss freilich jeder Anleger selber beurteilen. Viele Experten erwarten derzeit schlimmstenfalls moderate Kursabschläge. Nach nunmehr zweijähriger Baisse gelten weitere Einbrüche als unwahrscheinlich. Wer ohne Risikopuffer auf steigende Indizes setzen will, kann bei vielen Index-Produkten von der Anrechnung der Dividende profitieren. Während sich die Risikopuffer-Papiere beispielsweise auf den Euro-Stoxx-50-Preis-Index beziehen, gibt es ungesicherte Produkte auch auf die Performance-Variante, in deren Berechnung Dividenden einfließen. Dabei ist eine jährlich um etwa zwei Prozentpunkte bessere Entwicklung zu erwarten.

Garantieprodukt im Eigenbau

Ob Fonds- oder Zertifikat: Hinter den meisten Garantieprodukten steckt die gleiche Konstruktion. Im Prinzip kann die auch jeder Anleger nachbauen: Der Investor kauft von dem eingezahlten Kapital Zero-Bonds und Optionen. Zero-Bonds sind abgezinste Anleihen, die unter dem Nennwert notieren, zum Beispiel zu 80 Prozent. Am Ende der Laufzeit werden diese zu 100 Prozent zurückgezahlt. Das sichert das eingesetzte Kapital. Der Rest des Startkapitals fließt dann in Call-Optionen oder Optionsscheine auf einen Index. Durch ihre Hebelwirkung ermöglichen diese mit relativ geringem Kapitaleinsatz eine volle Beteiligung an der Wertentwicklung. Ähnlich wie bei einem Garantiefonds sind hier die Zinserträge steuerpflichtig, die eventuellen Optionsgewinne nicht - sofern die Haltedauer mindestens ein Jahr beträgt. Eine alternative Konstruktion wäre der Erwerb von Einzelaktien, die mit Put-Optionen abgesichert werden. In der Regel ist hier das Investment aber nicht so breit gestreut und zudem aufwendig.

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