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Steuern auf alternative Geldanlagen

Was haben Fleischmarkt und Aktienmarkt gemeinsam? Die Käufer suchen nach Alternativen. Was für die Verbraucher Emu-Burger und Kängeruh-Steak sind, sind für die Anleger Venture-Capital (VC) und Hedge- Fonds. Und hier wie dort kommt es auf die Zubereitung an. Bei den Alternativen Investments (  Glossar ) hat das Finanzministerium das Kochbuch heftig zensiert. Das einfachste Gericht ist die börsennotierte Venture-Capital-Aktie.

Der Nachteil: VC-Aktien können sich kaum vom Aktienmarkt abkoppeln. Das gelingt geschlossenen Venture-Capital-Fonds mühelos. Die Besteuerung ist schwere Kost. Landläufig wird der Fonds in die Form einer vermögensverwaltenden Kommanditgesellschaft gegossen. Ausschüttungen aus Dividenden der Beteiligungen sind nicht zu erwarten.

Im Fall der Veräußerung gilt die zwölfmonatige Spekulationsfrist - und zwar darf keiner verkaufen: der Anleger nicht seine Anteile, der Fonds nicht seine Beteiligungen an Unternehmen oder als Dachfonds an anderen Zielfonds. Ein VC-Fonds lässt sich aber auch mit Steuervorteilen schärfer machen. Das Gewürz sind dann die gewerbliche Einkünfte. Die Verluste der Beteiligungsfirmen, aufgestockt vor allem durch als Werbungskosten absetzbare Kosten des Fondsvertriebs, werden an den Anleger weitergegeben. Doch wer am Anfang seine Steuerlast durch Verluste mindert, muss am Ende Steuern zahlen - auch auf die Veräußerungsgewinne. Außerdem wichtig: Der Fonds darf vom Fiskus nicht als Verlustzuweisungsgesellschaft qualifiziert werden. Geschieht dies doch, dürfen die Verluste nicht mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten, etwa dem eigenen Gehalt verrechnet werden (§ 2b EStG). Wem die VC-Aktie nicht mehr bekommt, der verkauft sie. Das geht mit der KG-Beteiligung nicht so einfach.

Ähnlich wie der Kommanditist eines geschlossener VC-Dachfonds labt sich der Käufer eines Venture-Capital-Zertifikats (s. Tabelle) an vielen kleinen Häppchen. Investiert wird in mehrere VC-Aktiengesellschaften, die ihrerseits wiederum mehrere Beteiligungen halten. Doch anders als ein Fondsanteil lässt sich ein Zertifikat kurzfristig verkaufen.

Von Börsennotierungen dieser und anderer Zertifikate sollte sich niemand täuschen lassen. Nicht Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise, sondern die Emittenten. Wichtig: Dem Fiskus soll bei den Zertifikaten nichts aufstoßen. Also erinnern die Anbieter diesen Zensor immer wieder an einmal Gesagtes: "Kapitalertrag im Sinne des § 20 Abs 1. Nr. 7 EStG wird demnach nicht erzielt", heißt es in einem Schreiben des Finanzministeriums (BMF) vom 21.7.98 (IV B 4 - S 2252-116/98) zu Index-Partizipationsscheinen. Weil die Rückzahlung der Kapitalanlage von einem ungewissen Ereignis - hier der Entwicklung der Aktien bis zum Laufzeitende - abhängt, sei der Ertrag nicht steuerpflichtig. Die Konsequenz: keine Ausschüttungen, keine Steuern. Wer das Zertifikat nicht binnen zwölf Monaten verkauft, kündigt oder zu einem Zeitpunkt kauft, an dem bis zur Endfälligkeit weniger als zwölf Monate vergehen, zahlt auf den Veräußerungsgewinn keine Steuern.

Der klassische angelsächsichen Hedge-Fonds ist fast nicht bezahlbar. Er wird in Deutschland nicht zugelassen und fällt deshalb unter die Strafbesteuerung des Auslandsinvestment-Gesetzes. Der § 18 Abs. 3 droht mit der alljährlichen Besteuerung von 90 Prozent des Wertzuwachses.

Es bleibt das Hedge-Fonds-Zertifikat, das wie VC-Zertifikate behandelt wird. Obwohl UBS Warburg auf die Bezeichnung "Inhaberschuldverschreibung", Wert legt, wird Star 2 Notes wie die Zertifikate besteuert.

Anders sieht es für LBW Garantie- Plus und P.R.I.N.C.E aus. Im ersten Fall sichert eine Null-Kupon-Anleihe die garantierte Rückzahlung des Kapitals plus drei Prozent Zinsen. Im zweiten Fall, der Investition in einen Managed-Future-Fonds, besteht die Optionsanleihe aus einer Null-Kupon-Anleihe mit abtrennbarem Optionsschein. Sie wird steuerlich als Finanzinnovation behandelt. Dies ist die Bezeichnung für Kapitalanlagen, die nach § 20 Abs. 2 Nr. 4 EStG besteuert werden. Null-Kupon-Anleihen fallen unter Nr. 4a. Danach müssen Kursgewinne jederzeit versteuert werden und Verluste im Rahmen der Mindestbesteuerungsgrenzen (§ 2 Abs. 3) mit anderen Einkünften verrechnet werden.

Außerdem unterliegen Null-Kupon-Anleihen der Zinsabschlagsteuer. Managed Futures sind auch die Basis des E & R DM. Wer sich beteiligt, erwirbt Genussrechte - steuerlich ein Genuss. Denn die Konstruktion des Fonds sieht keine laufenden Ausschüttungen vor, so dass keine Einkünfte aus Kapitalvermögen anfallen. Wertsteigerungen, werden nach Ansicht der Gesellschaft nicht erfasst. Jedoch schließt sie nicht aus, dass es sich der Fiskus noch einmal anders überlegt.

Steuerlich leichter verdaulich ist der Absolute + Plus-Fonds, der laut Vertriebsgesellschaft VPM Vermögensverwaltungs AG in München in Deutschland als Investmentfonds zugelassen ist. Die Aktieninvestments werden mit Futures abgesichert, deren Ertrag überdurchschnittlich hoch ist. Diese Gewinne aus Termingeschäften sind seit 1999 steuerpflichtig und werden wie Zinsen behandelt, so dass Zinsabschlagssteuer abfällt. Wird der Fondsanteil während des Geschäftsjahres verkauft, fallen auch hier steuerpflichtige Zwischengewinne an.

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