Steuern: Fünf Sparmodelle stehen beim Verkauf von Beteiligungen zur Auswahl
Firmen wollen Finanzminister Eichel austricksen

Steuergestalter müssen sich beeilen. Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit, wenn sie schon heute Beteiligungen verkaufen, aber von der im nächsten Jahr anstehenden Steuerreform profitieren wollen. Finanzprofis haben verschiedene Modelle entwickelt, die Erfolg versprechen und die erzielten Gewinne schonen.

rob FRANKFURT/M. Das Thema ist eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Steuern sparen will zwar jedes Unternehmen, zu viel Aufmerksamkeit schadet jedoch. Denn es gilt, die Finanzämter von den eigenen Plänen zu überzeugen. Zahlreiche Unternehmen haben deshalb in aller Stille Strategien entwickelt, wie sie ihre Beteiligungsverkäufe schon in diesem Jahr steuerfrei organisieren können, obwohl die Steuerreform von Bundesfinanzminister Hans Eichel eigentlich erst in 2002 greift. Sie wollen bereits heute auf die anfallenden Gewinne keine Steuern zahlen. Grundsätzlich gibt es folgende Modelle:

Das Optionsgeschäft: Dieser Steuersparweg nutzt so genannte Call- und Put-Optionen. Der Käufer (Call) und der Verkäufer (Put) eines Unternehmens sind sich bereits heute einig. Die Transaktion ist zu einem späteren Zeitpunkt geplant; die Bedingungen werden vorher festgelegt. Wichtig für die steuerliche Anerkennung ist, dass zumindest eine der Vertragsparteien die Wahl hat, ihre Optionen zu nutzen und die Preise für die Parteien unterschiedlich sind.

Außerdem sollte der Verkäufer seine Gesellschafterrechte (vor allem Stimm- und Gewinnbezugsrechte) nicht vor der Abwicklung des Vertrages eingeschränkt haben. Diese Konstruktion wurde beispielsweise beim jüngsten Deal von Eon und BP gewählt. BP erhielt 51 % der Anteile an der Eon-Tochter Veba Oel (Aral). Im nächsten Jahr kann Eon die Option zum Verkauf ihrer 49-prozentigen Restanteile ausüben.

Umtauschanleihen: Bei Umtauschanleihen fließt das Geld sofort nach der Platzierung in die Kasse des Emittenten. Der Umtausch der Anleihe in Aktien, die eigentlich verkauft werden sollen, erfolgt frühestens im nächsten Jahr. Die Allianz nutzte zweimal diese Möglichkeit und nahm damit Milliarden ein. Die Anleger können die Anleihen bis 2005 in Anteile an Siemens und Eon bzw. BASF und Müchener Rück umtauschen.

Aktienleihe: Im Fall der Aktienleihe wechseln Anteilsscheine zwar schon heute den Besitzer, die tatsächliche Übertragung findet erst im nächsten Jahr statt. Das heißt: Die Unternehmen geben zunächst nicht ihre eigenen Aktien ab. Sie leihen sich die Wertpapiere gegen eine Gebühr am Markt und verkaufen diese an einen Dritten. Ab 2002 werden die geliehenen Aktien aus dem eigenen Bestand zurückgegeben. Diese Methode nutzte etwa die Deutsche Bank, um sich von einem Allianz-Paket zu trennen.

Rumpfgeschäftsjahr: Erlöse aus dem Verkauf von Beteiligungen sind steuerfrei, sofern der Veräußerungsgewinn nach dem Ablauf des ersten Wirtschaftsjahres anfällt. Dies ist dann der Fall, wenn das Geschäftsjahr der verkauften Gesellschaft etwa auf den 31. August umgestellt werden muss und vorher Geschäfts- sowie Kalenderjahr übereinstimmten. Der Verkäufer kann dann seinen Gewinn einige Monate früher, nach Ablauf des Rumpfgeschäftsjahres, steuerfrei einstreichen.

Joint-Venture: Bei diesem Modell wird der Verkauf einer Gesellschaft bereits heute sichergestellt. Das abgebende Unternehmen bringt seine Anteile zunächst in eine neue Gesellschaft ein. Diese macht freien Aktionären dann ein Übernahmeangebot. Anschließend sichert sich der Käufer die Mehrheit durch eine Kapitalerhöhung, an der das abgebende Unternehmen nicht teilnimmt und die Bezugsrechte verkauft.

Ab dem nächsten Jahr kann die Gesellschaft sich dann von den restlichen Anteilen trennen. Diese Art der Transaktion kommt beim schrittweisen Verkauf der Eon-Tochter Schmalbach Lubeca zum Tragen. Allianz Capital Partners ist hier der neue Mehrheitsgesellschafter bei der neuen Firma AV Packaging.

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