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Steuern und Medienfonds: Das Drehbuch schreibt der Finanzminister

Wer den Prospekt zu einem geschlossenen Filmfonds unter der Überschrift "Chancen und Risiken" aufschlägt, wird darin sinngemäß folgenden Satz finden: Es kann sein, dass die Finanzverwaltung die Steuergesetze anders interpretiert als wir. Dann können Steuervorteile verloren gehen.

Grundsätzlich gilt: Wer sich als Kommanditist, in Ausnahmefällen als stiller Teilhaber, an einem geschlossenen Immobilienfonds beteiligt, erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Typischerweise sind die Einkünfte im ersten Jahr negativ. Der Verlust beträgt sogar 100 Prozent des Beteiligungskapitals. Das liegt daran, dass die Produktionskosten für einen Film sofort vollständig als Betriebsausgaben geltend gemacht werden müssen (Aktivierungsverbot für immaterielle Wirtschaftsgüter). Gewinne entstehen erst in den Folgejahren, wenn die Abspielrechte für den Film verkauft werden.

Damit dieses Modell funktioniert, müssen allerdings einige Spielregeln eingehalten werden. Eine der wichtigsten enthält der Medienerlass des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 23.2.01 (Az.: IV A 6 - S 2241 - 8/01). Danach muss der Fonds Hersteller eines Films sein. Dies ist er laut Erlass nur, wenn er "wesentliche Einflussmöglichkeiten auf die Filmproduktion hat". Weil Filmfonds weder über ein Studio noch eine Kamera verfügen, beauftragen sie einen Produktionsdienstleister mit der Herstellung. Dem Fonds müssen sämtliche Auswertungsrechte zustehen, und er muss das volle unternehmerische Risiko tragen (unechte Auftragsproduktion).

In der Praxis gilt der Fonds als Hersteller, wenn er über Drehbuch, Filmbesetzung, Drehplan und Budgetansatz entscheidet, der Produktionsdienstleister ein festes Honorar bekommt und er bei der Absicherung von Risiken Versicherungsnehmer ist. Wurde mit einem Filmprojekt bereits begonnen, sollte der Fonds noch vor Beginn der Dreharbeiten einsteigen, um seine Herstellereigenschaft glaubhaft zu machen. Sollte ein Fonds im steuerlichen Sinn kein Filmproduzent sein, werden die Filmrechte über 50 Jahre abgeschrieben - die hohen Verlustzuweisungen sind dann futsch.

Der Medienerlass gilt für alle Fonds, die nach dem 28.5.01 erstmals öffentlich vertrieben werden.

Verlustzuweisungen gibt es auch nur, wenn der Film nicht in einer ausländischen Betriebsstätte hergestellt wurde, denn dort anfallende Verluste können nicht mit positiven Einkünften in Deutschland verrechnet werden (§ 2a Einkommensteuergesetz - EStG). Tatsächlich werden viele Fondsfilme im Ausland gedreht. Die Kurve bekommt ein Fonds wieder über die unechte Auftragsproduktion. Nicht er unterhält die ausländische Betriebsstätte, sondern der Produktionsdienstleister.

Einige Fonds ähneln sehr den früheren Filmleasingfonds. Ihr Strickmuster in Grundzügen: Die Lizenz zur Auswertung wird über einen bestimmten Zeitraum gegen vorher vereinbarte Zahlungen und eine Abschlusszahlung vergeben. Zum Ende der Laufzeit sind Kaufoptionen des Lizenznehmers und/oder Andienungsrechte des Fonds sowie Klauseln über die Verteilung eines Mehrerlöses im Falle des Verkaufs vereinbart. Options- und Mehrerlösvereinbarungen suggerieren, der Anleger könnte unternehmerische Entscheidungen treffen. Wäre er nämlich nicht Mitunternehmer, könnte er keine Einkünfte - vor allem keine Verluste - aus Gewerbebetrieb geltend machen.

Kein Filmfondsanbieter kommt am § 2b EStG (Verlustzuweisungsgesellschaft) vorbei. Damit der Anleger die anfänglichen gewerblichen Verluste mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten verrechnen kann, muss der Anbieter vor allem Folgendes beachten: Er darf nicht mit Verlusten werben. Der Fonds muss so konstruiert sein, dass die Rendite nach Steuern nicht doppelt so hoch ist wie die Rendite vor Steuern. rrl.

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