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Steuern

Erst mindern Verluste die Steuerlast, und dann begnügt sich der Fiskus mit Almosen - auch Tonnagesteuer genannt. So hätte es für Anleger und Schiffsfondsanbieter weitergehen können. Tut es aber nicht.

Die "Funktionsträgergebühren", volkstümlich "weiche" Kosten genannt, sollen künftig über die Laufzeit des Fonds abgeschrieben werden, sagt ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 24.10.01. Schon wird hochgerechnet: Wenn die Nebenkosten nicht weiterhin sofort abgeschrieben werden dürfen, sinken die Anfangsverluste auf 25 %. Zum Vergleich: Fonds, die § 2b Einkommensteuergesetz (EStG) umgehen wollen, weisen zurzeit Anfangsverluste unter der "Nichtaufgriffsgrenze" von 50 % aus; über 75 % Anfangsverlust werden selten geboten.

§ 2b EStG nennt Kriterien, die einen Fonds zu einer Verlustzuweisungsgesellschaft machen. Deren Verluste sind nicht mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten verrechenbar.

Zwar wehrt sich die Branche gegen diese Interpretation des BMF-Schreibens (Az.: IV C 3 - S 2253a - 15/01), denn seine Basis, zwei Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH), hätten sich auf Immobilienfonds bezogen. Doch im Erlass steht: "Die Grundsätze der vorgenannten Urteile sind auf geschlossene Fonds. . . anzuwenden." Ausnahme: Der Vertrieb des Fonds beginnt noch in diesem Jahr.

Doch wie lange währt eigentlich die Abschreibungsphase für Schiff und Fondsnebenkosten? Das wüssten Anleger und Anbieter gerne. Der Fiskus hat gemerkt: Ein Schiff in zwölf Jahren bis auf den Schrottwert abschreiben und es dann für 40 bis 50 % des Neubaupreises verkaufen - daran ist etwas faul. Nur: Neue AfA-Tabellen mit den Fristen und linearen Abschreibungssätzen (errechnet mit 100 : Nutzungsjahre) hat er noch nicht veröffentlicht. Also rechnen Anbieter wie bisher mit zwölf Jahren, andere mit 15, die meisten mit 16 Jahren. Für die Anfangsverluste ein großer Unterschied. Denn ein Schiff darf degressiv mit dem doppelten linearen Satz abgeschrieben werden, der dann 16,7, 13,3 oder 12,5 % beträgt.

Mit Verkaufserlösen bis zu 50 % prahlen die Anbieter übrigens nicht mehr - um das Finanzamt nicht zu reizen. Im Gegenteil: Obwohl nach 16 Jahren 30 % "drin" sind, werden jetzt kleinlaut meist fünf % angesetzt.

Doch was wird beim Übergang zur Tonnagesteuer mit den noch nicht abgesetzten Nebenkosten? Zunächst gilt: Was bis dahin nicht abgeschrieben ist, wird auch nicht mehr abgeschrieben. Doch muss der Anleger beim Verkauf des Schiffes oder seines Anteils die Differenz (Unterschiedsbetrag) zwischen dem Buchwert (nach Abschreibungen) und dem Marktwert zum Zeitpunkt des Wechsels - meist nach drei Jahren - versteuern. Je höher die anfängliche Abschreibung und damit der Unterschiedsbetrag, desto höher die spätere Steuerlast. rrl

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