Steuerpläne der Regierung drücken auf die Stimmung – Einbrüche im Neugeschäft erwartet
Leasing-Branche schlägt Alarm

Die geplante "Leasing-Steuer" versetzt die Branche in helle Aufregung. Sollten die steuerpolitischen Vorhaben - darunter auch die Verteuerung der privaten Dienstwagennutzung - durchkommen, werde die Investitionsbereitschaft im Mittelstand weiter abnehmen, befürchtet der Branchenverband BDL.

pk FRANKFURT/M. Das geplante Steuerpaket der Bundesregierung wird den "Investitionsmotor Leasing" nach Einschätzung der Branche zum Stottern bringen oder ihn sogar ganz abwürgen. Die Belastungen kämen zur Unzeit, da sich gerade der Mittelstand verstärkt dieser Finanzierungsform zuwende, sagte Horst-Günther Schulz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL), gestern in Frankfurt.

Mit einem Anteil von über 50 % an den fremdfinanzierten Ausrüstungsinvestitionen habe das Leasing mittlerweile einen höheren Stellenwert als der klassische Bankkredit. Die politisch Verantwortlichen gingen jetzt "konsequent mit der Motorsäge gegen einen der letzten, noch gesunden Bäume der Volkswirtschaft vor", meinte Schulz. Die Leasingbranche sieht sich von mehreren Seiten in die Zange genommen. Nach den Plänen der Koalition sollten gewerbliche Leasing-Nehmer zukünftig generell auf ein Viertel ihrer Leasing-Raten Gewerbesteuer bezahlen. Bislang werden Aufwendungen für Leasing in voller Höhe als Betriebsausgaben anerkannt, so dass beim Leasing-Nehmer keine Steuerbelastung erfolgt. Einen ähnlichen Vorstoß habe man im vergangenen Jahr noch abwenden können, in diesem Jahr sei es aber noch zu keiner Anhörung gekommen, so Schulz. Der Verband finde derzeit kein Gehör in Berlin, bedauerte der Verbandspräsident. Die Regierung erwarte sich hier Steuereinnahmen von 320 Mill. Euro, der Verband schätzt die effektive Zusatzbelastung für die Wirtschaft aber auf rund eine Mrd. Euro pro Jahr.

Neben dieser "Leasing-Steuer" würden auch die geplante Einschränkung des Verlustabzugs sowie die Verlängerung der Abschreibungszeiten für Immobilien einen Großteil der rund 10 000 deutschen Leasing-Objektgesellschaften in ihrer Existenz gefährden. "Wenn diese Vorhaben durchkommen, dann ist es fraglich, ob Immobilien-Leasing überhaupt noch hier zu Lande stattfindet", warnte Schulz. Auch die avisierte 50-prozentige Steuererhöhung für die private Dienstwagennutzung lasse erhebliche negative Folgen für die auf Kfz- und Flottenleasing spezialisierten Gesellschaften erwarten. "Man wird entweder auf Leasing verzichten oder auf kleinere Wagen umsteigen, das Finanzierungsvolumen dürfte schrumpfen", so Schulz. Sollten alle Steuerpläne wahr werden, drohten der Branche - je nach Marktsegment - Einbrüche im Neugeschäft zwischen 20 und 80 %.

Auch ohne neue Steuerbelastungen werde das kommende Jahr schwierig. Der zusammen mit dem Ifo-Institut erstellte "Geschäftsklima-Index Leasing" signalisiere eine deutliche Verschlechterung der Investitionsbereitschaft, der Wert sei so niedrig wie zuletzt 1993.

Dem abgelaufenen Geschäftsjahr und der Ertragslage der insgesamt 229 Mitgliedsfirmen vergibt der Verband das Prädikat "noch zufrieden stellend". Zwar werde das Neugeschäft erstmals seit 1994 das Volumen des Vorjahres verfehlen, angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage habe sich die Branche aber noch wacker geschlagen. Insgesamt erwartet der BDL für 2002 ein Minus von zwei Prozent auf 46,4 Mrd. Euro bei den Neuabschlüssen. Das Mobilien-Leasing verzeichne dabei voraussichtlich einen Rückgang um 2,3 % auf 39,1 Mrd. Euro, beim Immobilien-Leasing betrage das Minus nur 0,5 %. Fahrzeuge blieben mit einem Anteil von 53,1 % die wichtigste Güterart für die Branche.

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