Steuerpolitik der Bundesregierung
Konjunktur soll auch 2003 Arbeitsplätze kosten

Die schwache Konjunkturentwicklung wird nach Einschätzung mehrerer Wirtschaftsverbände in Deutschland auch im nächsten Jahr Arbeitsplätze kosten. Eine Mitschuld daran gaben die Verbände der aktuellen Steuerpolitik der Bundesregierung.

Reuters BERLIN. Das Handwerk rutscht nach Darstellung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) immer tiefer in die Krise. Allein in diesem Jahr müsse mit einem Abbau von bis zu 300 000 Arbeitsplätzen in der Branche gerechnet werden, sagte ZDH-Generalsekretär, Hanns-Eberhard Schleyer, am Mittwoch in Berlin. Auch 2003 werde sich die Lage nicht wesentlich verbessern. Düstere Prognosen kamen auch vom Verband der deutschen Elektroindustrie (ZVEI) und aus der Baubranche. Der Einzelhandel setzt seine Hoffnungen nach einem schweren Jahr nun auf das anlaufende Weihnachtsgeschäft.

Handwerk sieht weiter schwarz

Inzwischen habe der Stellenabbau im Handwerk ein bislang nicht gekanntes Ausmaß erreicht, sagte Schleyer. "Auf das ganze Jahr gesehen müssen wir von Umsatzrückgängen von rund 4,5 Prozent und einem Verlust von fast 300 000 Arbeitsplätzen ausgehen." Auch im nächsten Jahr seien Umsatz-Rückgänge von einem bis drei Prozent zu erwarten. Damit dürften weitere 100 000 bis 300 000 Stellen im Handwerk verloren gehen. In einer ZDH-Umfrage hätten 28 Prozent der Handwerksbetriebe in West- und 31 Prozent in Ostdeutschland angegeben, sich womöglich schon in diesem Winter von weiteren Mitarbeitern zu trennen. Ende 2001 beschäftigte das deutsche Handwerk rund 5,7 Millionen Menschen.

Wie groß der Beschäftigungsabbau ausfallen werde, hänge davon ab, wie sich die Belastungen von Bürgern und Betrieben durch die Steuer- und Abgabenpolitik der Bundesregierung auswirkten, sagte Schleyer. "Die Maßnahmen wirken wie eine massive Steuererhöhung." Die Folge sei eine Abwärtsspirale. Schleyer kritisierte erneut, die Regierung habe die Vorschläge der Hartz-Kommission zur Reform des Arbeitsmarktes, der er selbst angehört hatte, nicht vollständig umgesetzt. Das gelte vor allem für die Regelungen zur Zeit- und Leiharbeit.

Bauaufträge rückläufig

Mit schlechten Prognosen wartete auch auch die deutsche Bauindustrie auf, die nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im September preisbereinigt 0,4 Prozent weniger Aufträge erhielt als im Vorjahresmonat. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sprach von einer ungebremsten konjunkturellen Talfahrt. Allein die Wohnungsbaunachfrage sei im September um nominal zwölf Prozent zurückgegangen.

Der Arbeitsplatzabbau in der Baubranche setzte sich nach Angaben des Statistikamtes fort. In den erfassten Baubetrieben mit mindestens 20 Beschäftigten arbeiteten im September insgesamt rund 859 000 Arbeitnehmer und damit 109 000 weniger als vor einem Jahr. Die Bauindustrie steckt schon seit Jahren in der Krise, weil die Branche beim Bauboom nach der deutschen Wiedervereinigung zu stark expandiert hatte.

Elektroindustrie kritisiert Regierungspläne

Ein düsteres Bild der Konjunkturentwicklung zeichnete auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Der Hauptgeschäftsführer des ZVEI, Gotthard Graß, machte auch in einer Verschlechterung der politischen Rahmenbedingungen eine Ursache für die eingetrübten Aussichten aus. In der Branche werde die Beschäftigung zum Jahresende wohl den niedrigsten Stand seit 1960 erreichen. "Für 2003 erwarten wir bei den Umsätzen und der Produktion bestenfalls eine "rote' Null", sagte Graß. Sowohl im nationalen als auch im internationalen Umfeld gebe es derzeit keine Indizien für eine rasche konjunkturelle Belebung.

Kritik übte Graß an den Plänen der Bundesregierung. Seit der Bundestagswahl sorge die Politik für Kostensteigerungen, die erst in den kommenden Monaten durchschlagen würden. Allein die Anhebung des Rentenbeitragssatzes und der Bemessungsgrenze belaste die Branche mit rund 250 Millionen Euro. Seit der Wahl habe es einen Kostenschub von 500 Millionen Euro für die Branche gegeben.

Hoffnungsanker Weihnachtsgeschäft

Der ebenfalls krisengeplagte deutsche Einzelhandel erhofft sich nach Angaben seines Hautverbandes (HDE) nun vom Weihnachtsgeschäft Entlastung. HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr sagte, erfreulich wäre ein Umsatz im Weihnachtsgeschäft auf dem Niveau des Vorjahres und damit von zehn Milliarden Euro. Im November hätten die Umsätze bereits angezogen. Insgesamt werden im November und Dezember 20 Prozent des Jahresumsatzes im Einzelhandel erzielt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%