Steuerreform vergrößert das Angebot in Deutschland
Experten empfehlen europäische Wandelanleihen wegen ihrer Bonität

FRANKFURT/M. Die Steuerreform hat Wandelanleihen auch bei deutschen Unternehmen beliebt gemacht. Durch sie lassen sich steuersparend Unternehmensbeteiligungen abbauen. "Wandelanleihen sind das Richtige für unruhige Börsenzeiten. Geht es an den Aktienmärkten aufwärts, steigen auch die Kurse der Wandler. Aber sie fallen nicht so stark, wenn die Kurse in den Keller gehen", sagt Thomas Pergande, der für die Fondsgesellschaft Nordinvest den Nordcumula-Rentenfonds verwaltet.

Wandelanleihen sind quasi ein Unternehmensbond mit einer Kaufoption auf Aktien. Fallen die Aktienkurse, bleibt dem Papier immer noch der Anleihewert. Außerdem kann der Anleger sie in einem bestimmten Verhältnis in Aktien tauschen. Steigt deren Aktienkurs, verteuert sich auch die Anleihe. Fällt der Aktienkurs, fällt auch der Kurs der Wandelanleihe, aber schlimmstenfalls auf das Niveau, auf dem eine vergleichbare Anleihe notieren würde.

Siemens hat eine Wandelanleihe ausgegeben, die in Infineon gewandelt werden kann, die Münchner Rück lässt in Allianz wandeln, die Allianz in Deutsche Bank. Die Bonität richtet sich nach dem Emittenten, die Aktiensensibilität nach dem Unternehmen, in das gewandelt wird.

"Die Wandelanleihe von Fortis würde nach unseren Berechnungen 14,5 % zulegen, wenn die Aktie um 25 % steigen würde. Fiele der Aktienkurs um 25 %, würde die Wandelanleihe nur um etwa 7,5 % fallen", erläutert Zeno Dürr von UBS. Der Anleger zahlt für den Puffer mit einer niedrigeren Verzinsung.

Wandlungsprämie spielt eine wichtige Rolle

"Die Bonität des Emittenten spielt eine große Rolle", sagt Dürr. Privatanlegern rät er, auf ein Rating zu achten, das BBB+ oder besser ist, sowie auf Firmen zu setzen, die die Anleger kennen. Im Vergleich zum US-Markt ist die Bonität der europäischen Emittenten in der Regel besser, sagt Pergande.

Anleger müssen von den Kurschancen des Unternehmens überzeugt sein, in das sie wandeln können, sagt Thomas Köhler, Fondsmanager des OSWA-Fonds von M.M. Warburg Und sie müssen ausrechnen, wie hoch die Wandlungsprämie ist. Eine Prämie von 30 % bedeutet, dass es um 30 % teurer ist eine Aktie über die Wandelanleihe zu kaufen als ein direkter Kauf. "Mehr als 40 % darf die Prämie nicht betragen, sonst besteht nur eine geringe Chance, dass das Papier von steigenden Aktienkursen profitiert," erklärt Köhler.

Pergande empfiehlt diejenigen Papiere, die weder ein reines Bond- noch ein reines Aktienprofil besitzen. Denn steigt der Aktienkurs über den Wandlungspreis hinaus, vollzieht der Wandler 1:1 den Aktienkurs nach, auch nach unten. Zu seinen Lieblingstiteln gehören Anleihen der Münchner Rück (Kupon 1 %), die in Allianz-Aktien getauscht werden können. Neben der AAA-Bonität, spricht die Steuerreform für eine positive Kursentwicklung der Allianz. Pergandes absoluter Favorit der Telekommunikationsbranche ist die Anleihe von Hutchinson Whampoa (A-) in Vodafone.

Bei UBS steht der niederländische Finanzdienstleister Fortis auf "strong buy". Die Wandelanleihe hat ein AA3-Rating. Riskanter ist die Anlage in Colt Telekom, die mit 2 % verzinst wird aber nur ein B+-Rating hat. "Das ist kein Papier für Witwen und Waisen", sagt Dürr. Vor Wandelanleihen des niederländischen Automatisierungs- und Informationstechnikunternehmens Getronics rät er dagegen ab. Das Unternehmen veröffentlichte kürzlich eine Gewinnwarnung.

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