Steuervermeidung über alles
Steuertäler laden Besserverdiendende ein

Aussteigen, vom erarbeiteten Vermögen leben, ohne den Fiskus zu beteiligen - ein Traum vieler Mittelständler. Ein Ratgeber gibt Tipps.

Als Luis Trenker noch lebte, riefen die Berge die Deutschen in den Urlaub. Heute laden Steuertäler die Besserverdienenden unter ihnen ein, für alle Zeit in den Alpen zu bleiben.

Das schönste Steuertal liegt in Liechtenstein. Doch wer dort Steuern sparen möchte, braucht entweder Los- oder Liebesglück. "Das Fürstentum verlost jedes Jahr nur etwa 35 Aufenthaltsbewilligungen", sagt Christoph Wirnsperger, Leiter der Anlageberatung bei der Hypo Investment Bank (Liechtenstein) AG in Vaduz. Der Versuch, in einem Land mit rund 32 000 Einwohnern eine(n) Ehepartner(in) zu finden, verspricht kaum mehr Erfolg als das Losverfahren. Also konzentriert sich die Hypo Investment Bank auf der Suche nach dem "Steueroptimalen Wohnsitz" - so der Name ihres Ratgebers für vermögende Deutsche - auf die Schweiz und Österreich.

Wer die Steuervermeidung über alles stellt, kommt schnell zu dem Schluss, dass es sich lohnt, den rennfahrenden Schumacher-Brüdern zu folgen. Ralf lebt in Österreich, Michael in der Schweiz. Wer das Steuerrecht der beiden Länder beim Wort nimmt, kann sich jedoch über Michaels Ortswahl nur wundern. "Unsere normale Besteuerung ist gegenüber der in Österreich und Deutschland nicht so attraktiv", räumt Steuerberater Edmund Fleischli aus St. Gallen in der Schweiz ein. Doch so viel Geld zu haben wie Michael Schumacher, ist auch für die Schweizer nicht normal - und deshalb behandeln sie ihn auch nicht wie einen normalen Steuerzahler.

Michael Schumacher hat wie viele andere Wohlhabende seine Konditionen mit dem Wohnsitzkanton ausgehandelt. Er zahlt eine Pauschalsteuer, die auch die Bundessteuer beinhaltet. Die Höhe dieser Abgabe richtet sich nach dem Lebensaufwand. Ein dehnbarer Begriff, weswegen Schweizer Finanzbeamte in solchen Fällen annehmen, er betrage das Fünffache der geschätzten Miete, die für die Herberge des Steuerzahlers zu erzielen sei. Die Minimalsteuer von 50 000 Schweizer Franken werde bei einem Lebensaufwand von 150 000 Schweizer Franken fällig, nennt Fleischli eine Faustregel.

Die nötige Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, sei weniger problematisch, wenn der Neubürger in der Schweiz nicht erwerbstätig ist, aber ein "fiskalisches Interesse an ihm besteht", sagt der Experte. Im Klartext: Er muss Geld haben und darf keinem Schweizer einen Arbeitsplatz wegnehmen. Bleibt noch die Erbschaftsteuer, die jeder Kanton selbst regelt. Häufig können Ehepartner und Kinder steuerfrei beerbt werden. Die günstigste Lösung bietet der Kanton Schwyz: Dessen Bürger kennen weder Erbschaft- noch Schenkungsteuer.

Die Alpenländer ziehen auch Menschen an, deren Namen allenfalls mal in der Lokalpresse zu lesen sind - zuletzt dann, wenn sie ihren Betrieb aufgeben. Genervt durch eingeschränkte Verlustverrechnungsmöglichkeiten und immer schärferer Kontrollen, etwa Spekulationsgewinne betreffend, möchten Besserverdienende immer häufiger Deutschland verlassen, sagt Steuerberater Peter Storz aus Markdorf am Bodensee und zitiert einen Klienten: "Warum soll ich mir das antun, auf der anderen Seite des Bodensees lebt es sich genau so gut."

Storz gibt allerdings zu bedenken: "Wer die Vorteile des Schweizer Steuerrechts genießen will, muss alle Zelte hinter sich abbrechen." Anderenfalls läuft er mit seiner deutschen Staatsbürgerschaft trotz Schweizer Wohnsitz Gefahr, Einkünfte aus Deutschland im Wegzugsjahr und den fünf folgenden Jahren auch in Deutschland versteuern zu müssen. "Allerdings können die in der Schweiz erhobenen Steuern auf die deutschen Steuern angerechnet werden", ergänzt Fleischli.

Umsiedlung ist nicht immer vorteilhaft

Bevor es soweit ist, gilt es, mit Anlage- und Steuerberatern das Vermögen zu analysieren und gegebenenfalls neu zu strukturieren. Nach einem Steuerbelastungsvergleich lässt sich feststellen, ob eine Umsiedlung überhaupt vorteilhaft ist und welches das richtige Zielland wäre. Wer etwa auf die Pauschalbesteuerung in der Schweiz reflektiert, sollte nach Wirnspergers Einschätzung Vermögen im Wert von rund zehn Millionen Euro mitbringen.

Reicht das "Mindesteintrittsgeld" für die Schweiz nicht aus, eignet sich vielleicht die Wahlheimat von Ralf Schumacher besser als künftiger Lebensmittelpunkt. Ralf soll den Steuerbehörden zwar auch einen kräftigen Abschlag abgehandelt haben. Aber auch ohne Prominentenrabatt ist Österreich attraktiv, besonders dann, wenn das Vermögen in Anleihen angelegt wird. Die Zinsen daraus werden in Österreich jährlich pauschal mit 25 Prozent endbesteuert. Das heißt auch: Im Todesfall fällt keine Erbschaftsteuer an.

Das komme Ruheständlern entgegen, die aus Vorsichtsgründen ohnehin überwiegend Anleihen im Depot hätten, sagt der Dornbirner Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Günter Bröll. Nicht ganz so lukrativ ist die Dividendenbesteuerung. Österreichische Gesellschaften behalten gleich ein Viertel der Dividende ein. Alternativ kann der Anleger die Ausschüttung auch mit der Hälfte des persönlichen Steuersatzes belegen lassen. Zahlt eine ausländische Gesellschaft die Dividende, wird nach Tarif besteuert.

Sandra Riederer, Steuerberaterin bei der KPMG Niederösterreich, geht allerdings davon aus, dass diese Diskriminierung ausländischer Dividenden in zwei Jahren der Vergangenheit angehören wird. Wer auf Aktienfonds setzt, sollte beachten: Anders als bei direkt gehaltenen Aktien, deren Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei sind, werden Kursgewinne eines Fonds jederzeit mit fünf Prozent besteuert.

Doch es gibt noch eine tiefere Steuerschlucht: die Privatstiftung. Der Besuch lohnt sich ab etwa fünf Millionen Euro Vermögen. Die Stiftung zahlt auf Zinsen nur 12,5 Prozent Steuern, Dividenden von österreichischen Gesellschaften bleiben steuerfrei, von ausländischen Gesellschaften unter bestimmten Umständen ebenso, die Kursgewinne eines Aktienfonds werden nur mit 2,5 Prozent belastet. Und sollte der Stifter sterben, fällt keine Erbschaftsteuer an. Allerdings sind die Ausschüttungen der Stiftung mit 25 Prozent zu versteuern. Der gleiche Satz wird bei Auflösung der Stiftung auf den Wertzuwachs des Stiftungsvermögens fällig.

Und ganz ohne Eintritt kommt man in diese schöne Steuerschlucht auch nicht hinein. Er beträgt fünf Prozent des Stiftungsvermögens. Außerdem braucht man als Begleitung Anwälte, Notare und Steuerberater. Auch die wollen bezahlt werden.

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