Steuervorteile werden 2004 verringert
Boom in Tschechien geht zu Ende

Steuervorteile, starker Wettbewerb und das Zögern tschechischer Banken, die Kreditzinsen gemäß globalen Trends zu senken, haben in Tschechien über Jahre das Wachstum des Leasingmarkts begünstigt.

PRAG. Verbraucher-Vergleichen zufolge ist es für Privatpersonen unabhängig von Steueraspekten in Tschechien zurzeit günstiger, ein Auto zu leasen, als es per Kredit zu kaufen. Tschechien liegt im Vergleich Mittel- und Osteuropas an der Spitze, sagen Analysten. Schon der Anteil des Mobilien-Leasings beträgt rund ein Drittel aller Finanzinvestitionen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur CTK.

Doch Karel Boucek, Chef des Marktführers CSOB Leasing, geht von einer abnehmenden Dynamik aus. Er nennt vor allem wegfallende Steuervorteile nach Inkrafttreten des Gesetzes über Rechnungsführung ab 2004 als Grund. Zudem kämpft die Branche mit anderen Problemen. Die Regierung will auf sie das neue Kreditgesetz anwenden: Sie sollen bei Kundengesprächen einen verbindlichen effektiven Jahreszins nennen, um die tatsächliche Belastung transparenter zu machen. Damit würden Leasing und Kredit erstmals gleichgestellt. Die Leasingfirmen protestieren.

Im vergangenen Jahr war das Leasing-Volumen in Tschechien um 12,6 % auf rund 101 Mrd. Kronen (3,19 Mrd. Euro) gestiegen, so Zahlen des tschechischen Verbands der Leasing-Unternehmen, dessen Mitglieder rund 95 % des Markts ausmachen. Eine dominante Rolle spielen dabei tschechische Großbanken - aber auch die Leasing-Tochter eines Autobauers.

Das Auto-Leasing macht den größten Anteil am Mobilien-Leasing aus - mit rund 47,2 %. Darauf folgen Last- und Nutzfahrzeuge mit 29,6 % und Maschinen mit 17 %. Unter den Leasingnehmern führen Privatunternehmen vor der Bauwirtschaft und Industrie. Leasing für den Privatgebrauch erreicht einen Anteil von nur rund 16 %. Die meisten Verträge (fast 95 %) werden über fünf Jahre abgeschlossen. Darunter dominiert mit 95 % klar das Finanz-Leasing über dem operativen Leasing.

Weit weniger entwickelt - dafür aber von dynamischem Wachstum geprägt - ist das Immobilien-Leasing. Dem Leasing-Verband zufolge kam das Immobilien-Leasing 2001 auf ein Volumen von 5,82 Mrd. Kronen. Dabei machten Verkaufsläden 58 % aus, Industrie-Immobilien dagegen nur rund 28 %. Allerdings entfallen 58 % der Verträge auf neu erstellte Immobilien und nur 42 % auf Altbauten, woraus sich Wachstums-Impulse ableiten lassen. Auch die Zahl der Kunden zeigt, dass das Leasing-Geschäft in Tschechien bisher vor allem Autos, Nutz- und Lastfahrzeuge sowie Maschinen betrifft: Nur 63 Verträge wurden über Immobilen abgeschlossen, dagegen rund 202 000 über mobile Waren. Inzwischen scheint allerdings die Dynamik im Auto-Leasing abzunehmen.

Marktführer bei Neuabschlüssen im Mobilien-Leasing in 2001 war mit einem Marktanteil von 14,44 % die CSOB Leasing, die zur belgischen Allfinanzgruppe KBC gehört und die im Bereich des IT-Leasings eine Allianz mit der amerikanischen CIT eingegangen ist. Auf Platz 2 rangierte mit 13,54 % die tschechische SkoFin SRO, eine Tochter der Volkswagen Financial Services.

Dritter im Neugeschäft mit einem Marktanteil von 13,42 % - aber Zweiter nach Gesamtvolumen - ist die CAC Leasing, die noch im Jahr 2000 den Markt angeführt hatte. Dabei handelt es sich um ein Joint venture der mehrheitlich zur französischen Finanzgruppe Société Générale gehörigen tschechischen Großbank Komercni Banka mit der deutschen HVB-Gruppe.

Unklar ist, ob das Joint venture wie bisher fortgeführt wird. Denn die HVB ist in Tschechien auch mit ihrer eigenen Immobilien-Leasing-Tochter tätig. Dieser Markt wird angeführt von der DIL Immobilien Leasing, einer Tochter der Düsseldorfer DIL Internationale Leasinggesellschaft mbH, vor der Prager ING-Tochter ING Lease und der Immorent CR, einer Tochter der österreichischen Immobilien-Fondsanbieters Immorent International.

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