Steven Milunovich: Anleger nehmen Erholung zu schnell vorweg
Merrill Lynch rechnet mit Rückschlag für Technologie-Aktien

Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch glaubt nicht an eine dauerhafte Fortsetzung der jüngsten Aufholjagd bei den Technologieaktien. Steven Milunovich, Chief Technology Strategist von Merrill Lynch, sagte am Mittwoch in Frankfurt, die jetzige Aufwärtsbewegung sei eine technische Reaktion aus einer überverkauften Lage heraus. Im Januar werde der von Liquidität getriebene Zwischenspurt aber vorbei sein. "Für die kommenden ein bis zwei Jahre sind wir gegenüber den Technologiewerten eher pessimistisch eingestellt", erklärte Milunovich.

pk FRANKFURT/M. Zur Begründung verwies er im Gespräch mit dem Handelsblatt auf die seiner Meinung nach zu hohe Bewertung der Titel. Die Kurse hätten sich nach oben bewegt, aber die fundamentalen Daten könnten nicht mithalten. Immerhin hätten die operativen Margen in diesem Jahr mit minus 20 % den niedrigsten Wert seit 20 Jahren erreicht. Und im kommenden Jahr sei noch keine durchgreifende Besserung zu erwarten. Die Umsätze seien rückläufig und die Investitionen in die Informationstechnik würden 2002 voraussichtlich stagnieren.

"Aktuell liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2002 bei den Technologiepapieren bei rund 25 bis 30, normalerweise bildet sich aber erst bei einem KGV von zehn ein Boden an der Börse", erläuterte der Analyst. Vor allem Halbleiterwerte seien nun wieder "sehr teuer", die Investoren versuchten hier, eine konjunkturelle Erholung zu früh vorwegzunehmen.

Ab dem Frühjahr 2002 würden die Umsatz- und Gewinnzahlen wieder stärker die Anlageentscheidungen leiten. Das Technologiesegment werde dann für ein bis zwei Jahre um etwa zehn Prozent schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt, prognostizierte Milunovich. Ob das erhöhte Sicherheitsbedürfnis nach den Terroranschlägen der Branche zusätzliche Einnahmen verschaffe, bleibe abzuwarten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht seien Investitionen in Schutzsysteme nur Ausgaben, die keine unmittelbaren Umsätze generierten.

Mit einem Anlagehorizont von fünf bis sieben Jahren schätzt Merrill Lynch den Technologiesektor wieder positiv ein, weil dann ein neuer Innovationsschub in Sicht sei, etwa mit der Nanotechnologie. Auch das Internet werde mit neuen Übertragungstechniken ab 2005 ein Comeback erleben.

Gut positioniert für die nächsten Technologiewellen seien u.a. Bea Systems (Software-Infrastruktur), Ciena, Extreme Networks (Netzwerke), Openwave (drahtlose Übertragung), ARM (Komponenten) und ASM Lithography (Halbleiterausrüstungen).

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