Stevens: „Ich gehe meinen Weg weiter“
Hertha flüchtet sich in Durchhalteparolen

Die Schonzeit für Trainer Huub Stevens wird verlängert, sein Kopf bleibt für Berlins Manager Dieter Hoeneß ein tabu. Auch den Spielern gegenüber gibt sich der Macher überraschend versöhnlich.

HB BERLIN. Auch das siebte Bundesliga-Spiel der Saison nicht gewonnen, von einem harmlosen Hamburger SV in letzter Sekunde um zwei Punkte gebracht, spielerisch von höheren Ansprüchen weiter entfernt denn je - dennoch wehrt sich die sportliche Führung in Berlin vehement gegen jeden Anflug einer Trainerdiskussion. "Ich erlebe Huub Stevens jeden Tag, er hat die Kraft", wischte Manager Dieter Hoeneß nach dem Last-Minute-1:1 eine Frage vom Tisch, ob der 49-jährige Fußball-Lehrer noch die Widerstandsfähigkeit aufbringen könne, um der angespannten Lage zu trotzen. "Wir haben gute Erfahrungen gemacht, dass wir den Trainer in schwierigen Situationen halten", bemühte Hoeneß demonstrativ eine der in der Branche bekannten Durchhalteparolen.

Stevens selbst wirkte nach dem erneuten Schock-Erlebnis im eigenen Stadion, wo Hertha in dieser Spielzeit nur zwei Meisterschafts-Pünktchen gewann und dieses Mal Björn Schlickes Schuss von Tomas Ujfalusi zum 1:1 abgefälscht wurde, wütend und trotzig. Erst wetterte er lautstark in Richtung Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, dann schimpfte er auf seine Einwechselspieler Kovac, Madlung und Mladenow. Schließlich klärte er die Reporter mit kämpferischer Miene auf, dass seine harte Welle mit gleich fünf Neuen in der Startelf gegen den HSV längst nicht seine letzte Antwort sei: "Wenn Sie denken, dass das die harte Welle ist, kennen Sie mich nicht. Ich gehe meinen Weg weiter."

Eine deutliche kämpferische Steigerung im Vergleich zum 0:0 im Europapokal gegen Grodzisk allein reichte schon, um den Hertha-Verantwortlichen wieder neue Zuversicht einzuhauchen. "Sie haben mit Herz gefightet. Wenn man so kämpft, kommt man da unten raus. Da muss man ihnen helfen", zeigte sich Hoeneß versöhnlich. Vor der Partie hatte er einigen Profis noch mit Rauswurf gedroht. Mit Blick auf die nächsten schweren Gegner Bayern München und Bayer Leverkusen meinte der Manager nur: "Ich schaue nicht auf den nächsten Gegner, ich schaue auf die nächsten 27 Spieltage." Von Automatismen der Branche will er nichts wissen.

Die Schonzeit für Stevens dürfte dennoch spätestens dann in Gefahr geraten, wenn am 15. Oktober in Grodzisk im Uefa-Cup und am 28. Oktober beim FC Hansa Rostock im DFB-Pokal weitere Saisonziele früh verfehlt würden. "Wir sind uns bewusst, dass die Situation schwierig ist", unterstrich Nationalstürmer Fredi Bobic. So darf die erwartete Rückkehr von Spielmacher Marcelinho fast schon als letzte Hoffnung bezeichnet werden.

Der HSV merkte nach dem Rückstand durch Nationalspieler Arne Friedrich (32. Minute) vor 36 876 Zuschauern erst spät, welche große Chance in Berlin eigentlich bestand. "Wir haben in der ersten Hälfte ohne Mumm, ohne Zweikampfstärke gespielt", sagte Trainer Kurt Jara, der mit seiner defensiv orientierten Aufstellung allerdings auch dazu beitrug. "Als wir nur einen offensiven Spieler mehr hatten, lief es gleich 1000 Mal besser", sagte Ersatz-Kapitän Sergej Barbarez. Vier Punkte aus zwei Spielen - immerhin schaffte der HSV eine Mini-Serie, über die sich Hertha schon diebisch freuen würde.

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