Stichtag: 30. November
Steuern: Wer kneift, verliert Geld.

Zeit der Abrechnung. Die Nervosität steigt. Wie viel nimmt mir der Finanzminister in diesem Jahr ab? Anbieter geschlossener Fonds nutzen die Nervosität und verkaufen "Steuerersparmodelle" als Waffe gegen den Fiskus.

Vor Weihnachten geht ihr Geschäft so gut wie zu keiner anderen Jahreszeit. Denn auf den letzten Drücker lässt sich auch bisher Unverkäufliches an den Steuerzahler bringen. Der merkt erst später, dass er übers Ziel schießt.

Bevor jemand sich gegen den Fiskus munitioniert, sollte er Gehaltsabrechnungen, letzten Steuerbescheid sowie Konto- und Depotauszug zur Hand nehmen. Erst wenn er daraus ablesen kann, dass sein Einkommen überdurchschnittlich hoch ist und das frei verfügbare Vermögen ausreicht, den Verlust der Fondseinlage zu verschmerzen, sollte er damit liebäugeln, Mitunternehmer, in der Regel als Kommanditist, zu werden. Eine grobe Faustregel zur Fonds-Auswahl vorweg: Hohe Renditechance bedeutet hohes Risiko.

Zahlungen verschieben oder vermeiden?

Als nächstes muss er entscheiden, ob er Steuerzahlungen auf später verschieben oder in Zukunft vermeiden möchte. Wenn es ihm um letzteres geht, kommen Auslands-Immobilienfonds und solche Venture-Capital-Beteiligungen (VC), aus denen er Einkünfte aus Kapitalvermögen bezieht, in Betracht. Auslands-Immobilienfonds bieten Steuervorteile auf Grund von Freibeträgen und niedrigeren Steuersätzen. Der deutsche Fiskus verzichtet fast vollständig auf die Besteuerung dieser Auslandserträge. Bei den VC-Fonds profitiert der Anleger von steuerfreien Veräußerungsgewinnen (s. unten). Um noch in diesem Jahr die Steuerlast zu drücken, sind beide Fondsarten aber ungeeignet.

Das gelingt Fonds, die steuermindernde Verluste zuweisen. Film- und Windparkfonds liefern bis zu 100 Prozent, Schiffsfonds etwa die Hälfte und Inlandsimmobilien-Fonds in der Regel zwischen 25 und 50 Prozent Verlust. Wichtig ist: Nach Abzug der in Aussicht gestellten Verluste sollte das verbleibende Einkommen immer noch mit dem Spitzensteuersatz von 48,5 Prozent belastet sein. Wer kinderlos und ledig ist, schöpft das Renditepotenzial nur aus, wenn er nach Verlustzuweisung noch 107 000 DM Einkommen zu versteuern hat. Macht bei 25 000 Euro Mindestbeteiligung an einem Filmfonds (s. S. 2) vor Zeichnung demnach 156 000 DM.

Wer mit wesentlich höheren Verlusten jongliert, darf die Mindestbesteuerung (§ 2 Abs. 3 Einkommensteuergesetz) nicht übersehen. Danach darf z.B. ein aus einem Immobilienfonds stammender Verlust aus Vermietung und Verpachtung im ersten Schritt nur in Höhe von 100 000 DM mit positiven Einkünften in anderen Einkunftsarten verrechnet werden.

Auch einfache Waffen sind effektiv

Doch im Duell mit dem Finanzminister treffen auch einfachere Waffen - etwa der Verkauf einer Aktie binnen Jahresfrist mit Verlust. Der Spekulationsverlust lässt sich mit anderen Spekulationsgewinnen verrechnen. Das macht auch dann Sinn, wenn die Verluste die Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften übersteigen, weil sie ein Jahr zurück und unbegrenzt vorgetragen werden können. Im nächsten Jahr wären die Verluste nur halb so groß, denn ab dann gilt wie für Dividenden das Halbeinkünfteverfahren. Es besagt, dass die Dividende bzw. der Gewinn bei der Steuerbemessung nur zur Hälfte berücksichtigt wird. Aufs nächste Jahr vorgetragene volle Verluste treffen dann nur auf halb zu versteuernde Veräußerungsgewinne. Erwartet der Anleger Kursgewinne der gerade verkauften Aktie, kauft er sie einfach kurzfristig nach.

Für viele Steuerzahler gibt es noch einen wenig erfreulichen Grund, möglichst viele Belastungen in dieses Jahr zu packen. Wessen Lohn vom Unternehmenserfolg abhängt oder wer Einkünfte aus freiberuflicher oder gewerblicher Tätigkeit erzielt, wird vielleicht konjunkturbedingt im nächsten Jahr geringere Einkünfte haben.

Richtig beeilen muss sich, wer maximal 3 408 DM mit Hilfe einer Direktversicherung der Pauschalsteuer von 20 Prozent unterwerfen will. Als sozialversicherungsfreie Form der Gehaltsumwandlung ist dies bis 2008 aus Sonderzahlungen wie dem Weihnachtsgeld möglich. Das wird für November ausgezahlt.

Mit Stückzinsen tricksen

Übersteigen die Einkünfte aus Kapitalvermögen voraussichtlich die Freibeträge von 3 100/6 200 DM inklusive Werbungkosten für Ledige/Verheiratet, lässt sich mit Stückzinsen tricksen. Dies sind rechnerisch zwischen den Zinsterminen auflaufende Anleihezinsen. Wer eine Anleihe kauft, zahlt sie mit und macht sie als negativen Kapitalertrag geltend. Je länger der letzte Zinstermin zurück liegt und je höher der Kupon ist, desto höher sind die Stückzinsen. Nach gleichem Schema lassen sich auch Zwischengewinne eines Fonds verwenden.

Für manchen Steuerzahler lohnt es sich, den Finanzminister noch vor dem Jahresende zum Duell zu fordern - nämlich spätestens am 30. November. Bis zu diesem Stichtag können nämlich noch Steuerermäßigungsanträge für das laufende Jahr gestellt werden. Dabei kann ein steuerfreies Dezembergehalt herausspringen, wenn seit Jahresbeginn hohe Werbungskosten aufgelaufen sind.

Fazit: Wer gegen Finanzminister Eichel antritt, muss nicht nur schnell aus der Hüfte schießen, sondern auch prüfen, ob die Waffe funktioniert.

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