Stichwahl erforderlich – Ex-Präsident Alan García kommt überraschend auf Platz zwei
Toledo gewinnt erste Runde bei Wahl in Peru

Der Wirtschaftsexperte Alejandro Toledo hat die vorgezogene Präsidentenwahl in Peru am Sonntag gewonnen. Da der 55-Jährige jedoch die absolute Mehrheit verpasste, muss er sich einer Stichwahl gegen den Ex-Präsidenten Alan García stellen, der auf Platz zwei landete.

abu/HB SAO PAULO. Bei der Präsidentschaftswahl in Peru hat der Mitte-links-Politiker Alejandro Toledo die erste Runde für sich entschieden, die absolute Mehrheit aber klar verfehlt. Toledo führte nach Auszählung von knapp 45 % der Stimmen mit 36 %. Er muss sich in einer Stichwahl voraussichtlich Ende Mai dem sozialdemokratischen Ex-Präsidenten Alan García stellen, der mit 26 % überraschend auf Platz zwei lag.

"Heute war Peru der Sieger", sagte der 55-jährige Toledo am Ende eines langen Wahlabends vor seinen Anhängern in der Hauptstadt Lima. "Wir haben an Stimmen und an Demokratie gewonnen, auch wenn wir die 51 % nicht geschafft haben."

Das Ergebnis zeigt, da sind sich Analysten einig, wie unberechenbar und instabil die politische Situation in Peru nach der zehnjährigen Herrschaft Alberto Fujimoris ist, der sich nach einem Bestechungsskandal nach Japan abgesetzt hatte. Noch Anfang des Monats galt die nun ausgeschiedene Christdemokratin Lourdes Flores Nano neben Toledo als aussichtsreichste Kandidatin für das Präsidentenamt. García, der erst Anfang des Jahres überraschend aus dem selbst gewählten Exil zurückgekehrt war, wurden bis Anfang März noch keinerlei Chancen eingeräumt. Erst letzte Woche legte García in der Wählerpräferenz stark zu. Das liegt einerseits daran, dass sich die beiden führenden Kandidaten gegenseitig mit Hieben unter die Gürtellinie bekriegten - was den Wählern nach dem Chaos des vergangenen Jahres auf die Nerven ging. Andererseits verfügt García über eine stabile Fangemeinde vor allem unter Jugendlichen und Frauen. Seine geschrumpfte, aber landesweit intakte Partei Apra hat ein hohes Mobilisierungspotenzial.

Prognosen für Stichwahl schwierig

So überraschend das Ergebnis vom Sonntag ist, so schwierig sind nun Prognosen für die Stichwahlen. Analysten glauben, dass García gute Chancen habe, nächster Präsident zu werden. Der rhetorisch überzeugende Populist hat sich im Wahlkampf geschickt als "geläuterter Staatsmann" dargestellt. Das Chaos am Ende seiner Amtszeit 1990 entschuldigte er mit der "mangelnden Erfahrung eines 36-Jährigen". Mit seiner einseitigen Aussetzung des Schuldendienstes brachte er die internationalen Geldgeber gegen Peru auf, zum Ende seiner Regierung steckte das Land in einer tiefen Wirtschaftskrise. Garcia floh 1992 wegen Korruptionsvorwürfen ins Exil. Weil García nun befürchten muss, dass sein Gegner Toledo diese Vergangenheit im Wahlkampf ausschlachten wird, sorgte er in den Interviews bereits vor: Er werde keine Schmutzkampagne führen, sondern den Konsens mit seinem geschätzten Kollegen Toledo suchen. Die Befürchtungen der Bankanalysten, die mit seinem politischen Erfolg Alarmsignale in alle Welt schicken würden, seien völlig grundlos.

Politexperten schätzen, dass García ein hohes Stimmpotenzial bei den immer noch zahlreichen Fujimori-Anhängern besitzt. Für diese ist Toledo schuld an Fujimoris schmählichen Abgang Ende letzten Jahres. Jetzt haben die Anhänger des geflüchteten Autokraten größtenteils für die Rechts-mitte-Kandidatin Flores gestimmt. Insgesamt wird erwartet, dass sich beide Kandidaten nun etwas konservativer geben, um die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidatin zu gewinnen.

Toledo wird strategisch weiterhin zweigleisig fahren: Gegenüber der Elite und Mittelschicht Limas wird Toledo seine Vergangenheit als Ökonom mit Abschluss in Stanford und Job bei der Weltbank betonen. Auch der renommierte Investmentbanker Pedro Pablo Kuczynski als sein Wirtschaftsberater soll signalisieren, dass Toledo die Wirtschaft marktkonform führen will. Auf der anderen Seite wird sich Toledo, zur Hälfte indianischer Abstammung, dem verarmten Volk und der indianischen Andenbevölkerung als einer der ihren präsentieren.

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