Stichwahl um das Präsidentenamt
200 000 demonstrieren gegen Le Pen

Eine Woche vor der Stichwahl um das Präsidentenamt sind in Frankreich erneut Hunderttausende aus Protest gegen den rechtsradikalen Kandidaten Jean-Marie Le Pen auf die Straße gegangen.

dpa PARIS. In etwa 40 Städten versammelten sich am Samstag nach Schätzungen der Polizei mehr als 200 000 Menschen. 60 000 kamen in Paris zusammen. Grenoble erlebte mit etwa 25 000 Demonstranten die größte Kundgebung der letzten 40 Jahre.

60 Organisationen, darunter Anti-Rassismusbewegungen, Menschenrechtsvereinigungen, Grüne und Studentenorganisationen hatten zu den Kundgebungen aufgerufen, die auch am Sonntag fortgesetzt werden sollten. Gewalttätige Zwischenfälle wurden nicht gemeldet. Die Demonstrationen galten als "Generalprobe" für den 1. Mai, an dem auch der Führer der Nationalen Front (FN) mit seinen Anhängern in Paris der Nationalheiligen Johanna von Orleans gedenken will.

"Nieder mit der Nationalen Front, mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit", stand auf Plakaten. "F wie Faschisten und N wie Nazis" skandierten zahlreiche Schüler und Studenten. 90 Prozent der 15- bis 25-Jährigen sind nach einer Umfrage der französischen Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" für einen Sieg Chiracs. 88 Prozent der befragten Jugendlichen meinten, Le Pen und seine FN seien eine "Gefahr für die Demokratie" und "schädlich für das Image Frankreichs in der Welt".

Le Pen setzt unterdessen im Wahlkampf weiter auf Vorbehalte der Franzosen gegen das Zusammenwachsen Europas. "Frankreich ist schwach, weil seine Führer die Verantwortung nach Brüssel abgegeben haben. Die EU ist eine einzige Addition von Schwächen", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Er bekräftigte, dass er den Austritt Frankreichs aus dem "Maastricht-Europa" anstrebt.

Sein Ziel sei es, am 5. Mai "zwischen 40 und 50 Prozent der Stimmen zu erreichen", sagte Le Pen der französischen Tageszeitung "Le Monde". Nach einer Umfrage der Tageszeitung "Le Parisien" wollen 81 Prozent der Befragten für Chirac stimmen und etwa 19 Prozent für Le Pen. Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl am 21. April hatte der FN-Führer überraschend 16,8 Prozent der Stimmen erhalten und damit den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin aus dem Rennen geworfen.

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