Stiftung Warentest
Schlechte Noten für Autokindersitze

Die Stiftung Warentest und der ADAC haben in ihrem Kindersitz-Test vier Fabrikate mit der Note "mangelhaft" beurteilt. Derart schlechte Qualitätsurteile hat es schon lange nicht mehr gegeben.Von den 28 geprüften Kindersitzen erreichte kein einziger mehr die Bestnote.

DÜSSELDORF. Stiftung Warentest und der ADAC haben im Kindersitz-Test 2003 vier Fabrikate mit der Note "mangelhaft" beurteilt. Derart schlechte Qualitätsurteile habe es schon lange nicht mehr gegeben, sagte Heike van Laak, Pressechefin der Stiftung Warentest. Von den 28 geprüften Kindersitzen erreichte außerdem kein einziger mehr die Bestnote. "Der Test fällt im Vergleich zum Vorjahr schlecht aus", sagte ADAC-Sprecher Jürgen Grieving.

Zwei der als mangelhaft bewerten Kindersitze - "Chicco Zenith" und "Wavo/Bimbo Fix" - haben unzuverlässige Gurtschlösser. Obwohl das Schloss beim Schließen klickt hörbar und man daher glaubt, es sei eingerastet, ist es oft aber nicht gesichert und öffnet sich möglicherweise bei einem Unfall. Die betroffenen Hersteller starteten bereits Rückrufaktionen.

Zwei Drittel aller Autokindersitze werden fehlerhaft eingebaut

Die Experten fanden zudem heraus, dass einige Kindersitze nicht fest genug auf dem Autositz stehen und die Gurte nicht optimal verlaufen. Die Handhabung der Sitze ist ein großes Problem: Nach einer Studie des Instituts für Fahrzeugsicherheit werden immerhin zwei Drittel aller Autokindersitze fehlerhaft eingebaut. Die Folge: Das Kind ist im Fall eines Unfalls unter Umständen völlig ungesichert.

Um derartig fatale Bedienungsfehler zu vermeiden, hat die Internationale Standardisierungs-Organisation vor einiger Zeit ein neues Befestigungssystem namens Isofix definiert, über das der Kindersitz starr mit der Fahrzeugkarosserie verankert wird - die Fahrzeuggurte müssen nicht mehr umständlich um den Kindersitz gewickelt werden.

Die Mechanik ist simpel: An der Kindersitzschale sitzen zwei Rastarme mit Schnappverschlüssen, die um die Rastbügel greifen, die an der Karosserie zwischen Sitzlehne und Sitzfläche angebracht sind. Autos mit Isofix-Anbindungen gibt es inzwischen immer öfter serienmäßig; auch Nachrüstungen sind möglich. Der Vorteil von Isofix: Durch die starre Verbindung mit der Karosserie nimmt der Kindersitz im Fall eines Unfalls sofort an der Fahrzeugverzögerung teil. Dadurch verringern sich mögliche Verletzungen. Ein weiterer Nutzen: Studien haben ergeben, dass die Fehlerquote beim Einbau des Kindersitzes bei nur noch 4 % liegt. Allerdings sind Isofix-Sitze um 50 bis 100 Euro teurer als herkömmliche Kindersitze.

Noch sind nur wenige Sitze mit Isofix ausgerüstet

"Es ist dringend notwendig, dass Isofix so schnell wie möglich flächendeckend eingeführt wird", sagte Fritz Finkbeiner vom Institut für Fahrzeugsicherheit. Nur drei der 28 getesteten Sitze haben diese Halterung. Denn Isofix ist noch nicht in die europäische Prüfnorm ECE-R 44 integriert worden. Deshalb können sie bislang nur fahrzeugspezifisch zugelassen werden. Ein Kindersitz, der in einem Volvo passt, hat für einen Audi unter Umständen keine Zulassung. Das Problem der fehlenden Norm soll Experten zufolge bis April 2004 gelöst sein: Dann sollen Isofix-Sitze eine Universalzulassung für alle Autotypen haben.

Ob dies den geeigneten Schwung für den Verkauf von Autokindersitzen bringen wird, ist allerdings fraglich. Denn die Hersteller klagen über einen schrumpfenden Markt. Zum einen geht die Zahl der Geburten in Deutschland zurück - von 900 000 in 1990 auf 723 000 im vergangenen Jahr. Außerdem steige der Bedarf an Second-Hand-Sitzen, sagte Ernst Böhringer, Vertriebs- und Marketingleiter bei Britax-Römer, Marktführer bei Autokindersitzen. So würden zurzeit zwei Drittel aller Babyschalen gebraucht genutzt. Eine riskante Sache, wenn man die Vorgeschichte des Sitzes nicht kennt.

Die gute Nachricht des Warentests jedoch ist, dass es inzwischen für jede Altersklasse sichere Kindersitze gibt: Testsieger mit "gut" unter den Babyschalen (bis 13 Kilo) wurde beispielsweise "Römer Baby Safe Plus". In der Gewichtsklasse bis 18 Kilo schnitten die Modelle "HTS BeSafe iZi Comfort" und "Römer Duo Plus Isofix" am besten ab, und bis 36 Kilo "Kiddy Life Plus" und "Römer Kid".

Den Einfluss von Testergebnissen auf die Einkäufe schätzt Böhringer jedoch als nicht allzu hoch ein. "Die so genannten Sitzkissen sind früher immer wieder schlecht benotet worden, trotzdem haben sie sich gut verkauft."

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