Stilllegung eines Werks in Antwerpen möglich
Opel-Aufsichtsrat beriet Sanierungsprogramm "Olympia"

Der Aufsichtsrat des Verluste schreibenden Autoherstellers Adam Opel hat am Dienstag über die Grundzüge eines Sanierungsprogramms beraten, das voraussichtlich einen erheblichen Stellenabbau beinhalten wird.

Reuters FRANKFURT. Ein Opel-Sprecher sagte, die Sitzung des Kontrollgremiums am Firmensitz in Rüsselsheim werde voraussichtlich bis in den Abend hinein andauern. Zugleich wies er einen Zeitungsbericht als Spekulation zurück, wonach die Stilllegung eines Werks in Antwerpen drohe. Am Mittwoch will Opel zunächst seine Belegschaft und dann die Medien über das Konzept informieren. Nach früheren Angaben aus Industriekreisen ist ein erheblicher Stellenabbau wohl unvermeidlich. Wahrscheinlich erst 2003 könne Opel dann wieder die Gewinnzone erreichen.

Zu dem Sanierungsprogramm "Olympia" haben nach Firmenangaben 18 Arbeitsgruppen Vorschläge für verschiedene Bereiche vorgelegt, die nun vom Aufsichtsrat vorgestellt werden. Voraussichtlich bis Ende September werde der Aufsichtsrat über die verschiedenen Optionen entscheiden. Zu den Inhalten des Programms lehnte der Opel-Sprecher eine Stellungnahme ab.

"Antwerpen hängt am seidenen Faden"

Das "Handelsblatt" berichtete, vermutlich stehe bei Opel die Schließung eines Werks an. "Antwerpen hängt am seidenen Faden", berichtete die Zeitung unter nicht näher bezeichnete Quellen in der Opel-Zentrale. In Antwerpen wird derzeit das Kompaktmodell Opel Astra gefertigt, im vergangenen Jahr liefen dort fast 330 000 Fahrzeuge vom Band. Das Werk gehört nicht direkt zu Opel, sondern zum Verbund der Europa-Sparte des Opel-Mutterkonzerns General Motors. Der Astra wird auch in Bochum sowie im britischen Ellesmere Port produziert. Zudem wäre eine Fertigung im flexibel ausgelegten Werk in Eisenach möglich, wo nach Firmenangaben derzeit nur der Kleinwagen Corsa vom Band läuft. Der Corsa wird zudem im spanischen Saragossa und in Azambuja in Portugal gebaut.

Ein Sprecher von GM Europe in Zürich sagte, es gebe die Notwendigkeit zu "ziemlich drastischen Schritten". Ziel seien Lösungen, die langfristig tragfähig seien. "Hier geht es schon auch darum, die Kosten in den Griff zu bekommen; es geht aber auch darum, die Marke zu entwickeln und das Geschäft auszubauen", sagte er. GM Europe habe immer klar gemacht, dass das Projekt "Olympia" alle Elemente des Geschäfts berühren werde. "Nichts wird ausgespart", sagte der Sprecher. Mögliche Maßnahmen könnten dann frühestens im Herbst in Kraft gesetzt werden.

Der Marktanteil von Opel in Deutschland war in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen, hatte sich zuletzt aber stabilisiert. Im vergangenen Jahr hatte Opel deswegen einen operativen Verlust von fast einer Milliarde Mark erwirtschaftet. Auch der Marktanteil von GM in Europa insgesamt war im vergangenen Jahr erheblich gesunken.

Kreise: Erheblicher Stellenabbau unvermeidbar

In Industriekreisen wird davon ausgegangen, dass GM im Europa-Geschäft Überkapazitäten hat, die in etwa einem kompletten Fahrzeugwerk entsprechen. Ob ein Werk ganz geschlossen werden solle oder nicht, sei aber noch nicht entschieden, hatte es zuletzt in den Kreisen geheißen. Die Schließung eines Werks in Deutschland gilt aber als ausgeschlossen, da die deutschen Werke entweder ausgelastet oder effizient arbeiteten. Ein erheblicher Stellenabbau sei aber wohl nicht zu vermeiden, hatte es in den Kreisen geheißen. 2003 könnte Opel dann wieder die Gewinnschwelle erreichen oder sogar wieder einen kleinen Gewinn erwirtschaften.

An den Werkstoren des Opel-Stammwerks in Rüsselsheim zeigten sich derweil nur einige der Beschäftigten besorgt über die Lage bei Opel. "Die Leute sind etwas besorgt, wie es weitergeht", sagte ein Arbeiter. Andere sagten, sie machten sich nicht so viel Gedanken, da gerade in Rüsselsheim ein neues Werk gebaut werde, in dem es neue Arbeitsplätze gebe. Opel baut derzeit am Stammsitz für mehr als eine Milliarde Mark zunächst für den Nachfolger des Mittelklassemodells Opel Vectra eine neue Fertigung auf. Das neue Modell soll im Frühjahr 2002 auf den Markt kommen.

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