Stillschweigen nach Krisentreffen vereinbart
Gerhardt schlägt Westerwelle als Nachfolger vor

Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt hat Generalsekretär Guido Westerwelle als seinen Nachfolger vorgeschlagen. In den bevorstehenden Bundestagswahlkampf 2002 könnte die FDP mit der Doppelspitze Gerhardt-Westerwelle ziehen. Dieser Ausweg aus dem seit Monaten schwelenden Führungsstreit bei den Liberalen deutete sich am Mittwoch an.

dpa BERLIN/WIESBADEN. Gerhardt und Westerwelle waren am Nachmittag in Wiesbaden zu einem Krisentreffen zusammengekommen. Über den Verlauf des eineinhalbstündigen Gesprächs hüllten sich beide in Stillschweigen und verwiesen auf das Dreikönigstreffen der Liberalen an diesem Samstag in Stuttgart. "Man muss auch mal ein Gespräch führen zu können, ohne hinterher gleich etwas bekannt zu geben", sagte Gerhardt. Wie aus FDP-Kreisen zu erfahren war, sind die Gespräche noch nicht abgeschlossen.

In einem vor dem Krisentreffen geführten Interview mit der "Berliner Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe) ließ Gerhardt den genauen Zeitpunkt der Nachfolge jedoch offen. "Über Kandidaturen sollte geredet werden, wenn sie anstehen", sagte er. Nach Angaben eines Parteisprechers bekräftigte Gerhardt erneut seine Absicht, 2001 nochmals als Parteichef antreten zu wollen. Nach Vorstellung Gerhardts sollte Westerwelle im Bundestagswahlkampf 2002 "eine herausgehobene Position haben als jemand, der nach mir die Partei führen könnte und sollte". Der FDP-Chef sprach sich dafür aus, dass Westerwelle und er im Wahlkampf als "Tandem" auftreten. "Eine solche Lösung mit gleichberechtigten Persönlichkeiten" biete sich an.

Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegels" soll Westerwelle als Spitzenkandidat antreten. Dies würde der Absicht der nordrhein- westfälischen FDP-Chef Jürgen Möllemann widersprechen, mit einem eigenen Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen. Diese Idee hat Gerhardt immer abgelehnt.

Kubicki kritisiert Gerhardt

Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, setzte die Kritik an Gerhardt fort. In einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag) sprach er von Denunziation, vom "Luxus der Unbekanntheit" und von Wahlkampfstörung. Kubicki warf führenden FDP-Vertretern vor, Westerwelle erst durch eine öffentliche Debatte in eine frühzeitige Gegenkandidatur zu Gerhardt zu drängen und ihn so gegen NRW-Parteichef Jürgen Möllemann ins Spiel zu bringen. "Westerwelle ist kein Warmduscher. Aber nachdem, was gelaufen ist, kann er nicht länger Generalsekretär bleiben", sagte Kubicki.

Im Vorfeld des Wiesbadener Gesprächs hatte es widersprüchliche Spekulationen um die politische Zukunft Westerwelles gegeben. Dem FDP-Generalsekretär wurden immer wieder Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt, was Westerwelle bislang öffentlich nicht bestätigte. Prominente Liberale forderten ein Ende der Personaldiskussion und eine Rückkehr zur Sachpolitik.

Der Gerhardt-Kritiker Möllemann wehrte sich gegen Vorwürfe, er wolle einen liberalen Kanzlerkandidaten ohne Mitsprache der Parteigremien durchsetzen. Dies müsse selbstverständlich durch den Parteitag erfolgen, erklärte sein Sprecher, Michael Block, auf dpa- Anfrage in Düsseldorf.

Die bayerische FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat die Personaldebatten scharf kritisiert. Es finde keine Diskussion über Inhalte statt, sagte die ehemalige Bundesjustizministerin in einem Interview der Münchner "Abendzeitung" (Donnerstag). Im Westdeutschen Rundfunk (WDR) und im Saarländischen Rundfunk forderte sie ein Ende der Personaldebatte. Leutheusser-Schnarrenberger verlangte von Gerhardt, sich inhaltlich sehr viel deutlicher zu positionieren. Das gelte auch für Westerwelle. Auch der FDP-Politiker und frühere Innenminister Gerhart Baum forderte, die Auseinandersetzung um Personen auf Inhalte zurückzuführen.

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