Stimme aus Düsseldorf
Gold-Rally geht weiter

Bei kaum einer anderen Anlageform dürften Euphorie und Angst so eng beieinander liegen wie beim Gold. In den letzten Monaten hatten Anhänger des gelben Metalls allen Grund zur Freude. Seit Anfang Mai legte der Preis für die Feinunze von 414 auf 475 US-Dollar zu.

DÜSSELDORF. Besonders bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass im Gegensatz zu früheren Gold-Rallys nicht ein schwächerer US-Dollar als Treibsatz diente. Auf Euro-Basis legte Gold in diesem Zeitraum prozentual sogar doppelt so viel zu. Gegenüber dem Euro markierte der Goldpreis ein 17-Jahres-Hoch und zu vielen anderen Währungen ebenfalls ein Mehrjahreshoch. Damit ist Gold eine der weltweit stärksten „Währungen“.

Im Vergleich zu anderen Rohstoffen fristet der Goldpreis hingegen noch ein Schattendasein. So hat zum Beispiel unlängst der Preis für ein Fass Öl der Sorte Brent mit 68 US-Dollar das historische Hoch des Jahres 1980 weit übertroffen. Derzeit müssen da-mit für den Kauf von einer Unze Gold lediglich rund acht Fass Öl bezahlt werden. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der letzten 40 Jahre liegt in etwa bei 16 Fass Öl pro Unze. Eine Anpassung des Goldpreises an die langfristigen Relationen ließe selbst bei einem Ölpreisrückgang auf 50 US-Dollar Goldpreise von rund 800 US-Dollar erwarten. Damit wäre aber noch nicht einmal das Rekordhoch von 1980 bei 850 US-Dollar übertroffen. Da Gold in großen Portfolios nach wie vor unterrepräsentiert sein dürfte und gleichzeitig bei international extrem niedrigen Realrenditen die Opportunitätskosten der Goldhaltung gering sind – Alternativanlagen wie Anleihen und das Sparbuch werfen wenig Zinsen ab – , dürfte die Rally mittelfristig weitergehen.

Stefan Schilbe ist Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

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