Stimme aus Frankfurt
Die EZB macht Druck

Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), bestätigte gestern, dass die EZB im Rahmen ihres Repo-Geschäftes nur Anleihen mit einem Rating von mindestens „A-“ akzeptieren würde. Er deutete an, dass dies für die Marktteilnehmer eigentlich keine Überraschung sein sollte, sondern die EZB damit nur ihre bisherige Praxis klarstellt.

Tatsächlich hat die EZB bislang in ihrem Repo-Geschäft keine Anleihe mit einem Rating von unter „A-“ akzeptiert. In den allgemeinen Richtlinien für das Repo-Geschäft werden auch Mindestanforderungen für die verwendbaren Anleihen formuliert, allerdings ohne dass ein Rating explizit genannt wurde. So gab es auch bislang bei Marktteilnehmern die Einschätzung, dass die Kriterien bei Staatsanleihen etwas weiter gefasst sind, was letztlich zu einem Teil den relativ niedrigen Spread zwischen deutschen und beispielsweise italienischen Staatsanleihen erklärt. Die Annahme war, dass die EZB sich nicht verweigern würde, sollte das Rating eines einzelnen Landes unter ein bestimmtes Rating-Level fallen.

Die Klarstellung der EZB ist zu begrüßen. Sie hat damit nicht nur die Rolle der Finanzmärkte als Kontrollinstanz gestärkt, sondern auch den Druck auf die Regierungen erhöht, sich den fiskalischen Herausforderungen zu stellen. Dirk Schumacher Volkswirt, Goldman Sachs.

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