Stimme aus Frankfurt
Übertriebene Sorgen

Die ersten Schritte zur Flexibilisierung der chinesischen Währung haben – obwohl sie erwartet worden waren – an den Märkten zunächst einige Aufregung verursacht. Insbesondere die US-Kapitalmärkte reagierten mit einem Zinsanstieg, der nicht nur vorübergehend war.

Dahinter stecken Befürchtungen, dass die zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits notwendigen Kapitalmittel, die bislang teilweise automatisch durch die Intervention der Währungsbehörden in China zustande gekommen waren, nun ausbleiben könnten. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass das neue Währungsregime in China trotz der Dementis aus Peking sehr wohl eine weitere graduelle Aufwertung des Renminbis zuließe und wahrscheinlich Umschichtungen innerhalb der chinesischen Währungsreserven nach sich zieht.

Diese Befürchtungen sind übertrieben: Die jüngsten Daten über die weltweiten Kapitalströme zeigen, dass der Kapitalhunger der USA zurzeit auch aus privaten Quellen ausreichend gespeist wird. Dies wird so bleiben, solange die Wachstumsstory intakt ist; mit Wachstumsraten von knapp vier Prozent bilden die USA gegenüber den anämischen Industrieländern der Euro-Zone immer noch die relativ beste Investitionsmöglichkeit. Bleibt abzuwarten, wie die US-Wirtschaft reagieren wird, wenn im kommenden Jahr durch steigende Inflationsraten und Zinssätze etwas mehr Sand in das gut geölte US-Wachstumsgetriebe gestreut wird.

Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der Deka Bank Frankfurt

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