STIMME AUS LONDON
Die EZB muss handeln

Finanzmarktakteure und Bankvolkswirte sind nach wie vor uneins, ob die Europäische Zentralbank (EZB) den Refinanzierungssatz bereits im Dezember anheben wird.

Wenn man verschiedenen Presseberichten glauben darf, besteht auch im EZB-Rat noch Uneinigkeit hinsichtlich des angemessenen Zeitpunkts einer ersten Zinserhöhung. Die starken Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal und die bis zuletzt gestiegenen Stimmungsindikatoren in der Euro-Zone sollten allerdings helfen, die Skeptiker von der Notwendigkeit einer Zinserhöhung noch in diesem Jahr zu überzeugen.

Eine wichtigere Rolle noch sollten die möglicherweise negativen Auswirkungen auf die Kommunikation der EZB und ihrer Wahrnehmung an den Finanzmärkten und in der Öffentlichkeit spielen. Mit dem in der letzten Pressekonferenz mehrfach vorgetragenen Hinweis, dass sich die EZB jederzeit geldpolitisch bewegen kann, hat EZB Präsident Trichet eine geldpolitische Straffung als dringlich dargestellt. Kommunikation ist einmal – völlig zu Recht – von EZB Chefvolkswirt Otmar Issing als die dritte Säule der geldpolitischen Strategie der EZB bezeichnet worden. Sie verdient es, von den Ratsmitgliedern ebenso ernst genommen zu werden wie die anderen beiden Säulen – der allgemeine Inflationsausblick und die monetäre Analyse. Es würde zudem schwer zu vermitteln sein, wenn sich der Rat auch angesichts revidierter Projektionen des EZB-Stabs nicht zu einer Zinserhöhung durchringen könnte und diese Entscheidung dann im Januar nachreicht.

Die Autorin ist Deutschland- und Europavolkswirtin bei Morgan Stanley.

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