Stimme aus London
Länderrisiken beachten

Seit dem Beginn der Währungsunion sind Länderanalysen bei vielen Euro-Investoren, sowohl auf der Aktien- als auch der Rentenseite, aus der Mode gekommen. Stattdessen haben sich viele der Investoren vermehrt auf Sektoren oder Laufzeitensegmente konzentriert.

Meiner Ansicht nach wäre es allerdings ein Fehler den Länderfaktor ganz außer Acht zu lassen. Denn wir beobachten in der Euro-Zone schon seit einer geraumen Zeit deutliche Divergenzen sowohl beim Wachstum als auch bei der Inflation.

Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) sind diese Diskrepanzen als sehr viel hartnäckiger einzuschätzen als die in den USA. Zudem ist das Konfliktpotenzial in der Europäischen Union in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Einige Länder, allen voran Deutschland und Frankreich, sind bestrebt, ihr Sozialmodell zu verteidigen. Andere dagegen setzen auf weitere Strukturreformen. Die Unterschiede in der Wirtschaftspolitik werden zukünftig weiter zunehmen.

Vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Ausrichtung und angesichts der anhaltenden Diskrepanzen kann ein Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion nicht mehr ausgeschlossen werden. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gering ist, müssen die internationalen Finanzmärkte sie dennoch berücksichtigen.

Die Autorin ist Deutschland- und Europavolkswirtin bei Morgan Stanley.

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