Stimme aus London
Liebesgrüße aus Moskau

Der russische Aktienindex RTS hatte Anfang Oktober erstmals die magische Grenze von 1 000 Punkten überschritten. Damit sind die Kurse an der Moskauer Börse – trotz des jüngsten Rückschlags – seit Mai 2005 unterstützt vom hohen Ölpreis und nachlassenden Sorgen über den politischen Zustand des Landes um über 50 Prozent nach oben geschnellt.

Anleger scheinen ihre Liebe zu Russland wiederentdeckt zu haben, obwohl die Regierung von Präsident Wladimir Putin in der Affäre um den Ölkonzern Yukos dazu beigetragen hatte, das positive Bild zu trüben.

So unerhört das Vorgehen der Regierung auch war, die Yukos-Affäre blieb ein Einzelfall. Anders als von vielen Beobachtern erwartetet, markierte die Yukos-Affäre keineswegs den Beginn einer umfassenden Verstaatlichungswelle. Putin will nur den Einfluss des Staates in strategischen Branchen sichern. Der größte Teil der Wirtschaft, vor allem der Konsumsektor, wird auch künftig nicht Bürokraten dienen, sondern Aktionären.

Das wiedergewonnene Vertrauen in die wirtschaftlichen Perspektiven Russlands hat bereits ausländische Direktinvestitionen namhafter Unternehmen wie Conoco oder Coca-Cola angezogen. Das Bruttoinlandsprodukt wird wahrscheinlich im vierten aufeinander folgenden Jahr um mehr als sechs Prozent wachsen, die Auslandsschulden werden schneller beglichen als ursprünglich geplant, und die hohen Rohstoffpreise führen zu massiven Haushalts- und Handelsbilanzüberschüssen. Der russische Bär hat daher – zumindest vorläufig – dem Bullen Platz gemacht.

Autor: Plamen Monovski, Merrill Lynch Investment Managers.

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