Stimme aus München
Bedenkliche Zinsstruktur

Das unausweichliche Ende des Immobilienbooms wird die US-Wirtschaft einer wichtigen Wachstumsstütze berauben. Der hohe Ölpreis tut ein Übriges. Und jetzt erwarten immer mehr Prognostiker, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen bald unter den Geldmarktsatz fällt.

Signalisiert eine solche Inversion tatsächlich schwächeres US-Wachstum? Die Steilheit der Zinsstrukturkurve (Zehn-Jahresrendite minus Geldmarktzins) ist in der Tat ein recht ordentlicher Konjunkturindikator. In den letzten 30 Jahren war sie ziemlich hoch mit dem US-Wirtschaftswachstum korreliert und ist der Konjunktur drei bis vier Quartale vorausgelaufen. Einem Abschwung oder gar einer Rezession ging in der Regel eine Phase voraus, in der sich die Zinsstrukturkurve abgeflacht oder invertiert hatte. Denn liegen die von der Fed kontrollierten Geldmarktsätze über den von Inflationserwartungen geprägten Kapitalmarktrenditen, spricht dies für eine restriktive Geldpolitik.

Die sehr flache und möglicherweise bald inverse Zinsstrukturkurve bestätigt unsere Erwartung, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft 2006 weiter auf 2,8 Prozent abschwächen wird. Diese Prognose liegt unter der Konsens-Schätzung (3,3 Prozent) und unter dem Trendwachstum der US-Wirtschaft (3,2 Prozent). Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe dürfte vom vierten Quartal an deutlich unter der Vierprozent-marke liegen; hier zu Lande sollte die Zehnjahresrendite dauerhaft unter drei Prozent rutschen.

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt der HVB Group in München.

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