Stimme aus New York
Beherrschbare Inflation

Die längerfristigen Risiken für die US-Teuerung sind beherrschbar, obwohl die Inflationsrate durch die Energiepreise nach oben getrieben wurde, und obwohl es Hinweise gibt, dass das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts vor dem Wirbelsturm „Katrina“ stark gewesen ist.

Die jüngste Entwicklung der lang laufenden Anleihen unterstützt diese Annahme. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist zum Ende der vergangenen Woche auf weniger als 4,4 Prozent zurückgegangen. Überdies dürften die anstehenden Konjunkturdaten die Einschätzung der Investoren im Hinblick auf die Inflationsrisiken kaum verändern. Die derzeitigen Handelsspannen an den US-Anleihe- und Aktienmärkten werden sich voraussichtlich als widerstandsfähig erweisen.

Inflationsdruck entsteht vor allem dann, wenn die Hersteller zwar hinsichtlich der Stärke der Nachfrage nach ihren Produkten zuversichtlich sind, aber sich gleichzeitig besorgt zeigen, ob die erforderlichen Vorleistungen zur Verfügung stehen. Unter solchen Umständen werden die Input-Preise nach oben getrieben, und die Hersteller sind wahrscheinlich versucht, ihre höheren Kosten auf die Kunden abzuwälzen.

Unter den derzeitigen Gegebenheiten ist es allerdings schwierig, Argumente für umfassende Kapazitätsengpässe im globalen verarbeitenden Gewerbe zu finden. Wenn es daher für die US-Wirtschaft zwingende Kapazitätsengpässe gibt, dann sind sie allenfalls auf dem Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von etwa fünf Prozent zu finden. Allerdings ist der Trend bei den Vergütungen moderat, sodass sich die Inflationsängste der Investoren wohl kaum verstärken.

Der Autor, John Lipsky, ist Vice Chairman von JP Morgan Securities.

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