Stimme aus Paris
Leitzins-Erhöhung ohne Wirkung

Die Leitzinserhöhungen in den USA haben kaum Wirkung gezeigt. Die langfristigen Zinsen und die Wirtschaftsdaten sind praktisch unverändert. Der Grund: Ausländische Investoren kaufen netto vier Mal mehr amerikanische Anleihen als einheimische Investoren.

Zu den ausländischen Käufern gehören vor allem die asiatischen Zentralbanken, die hohe Dollarreserven in Form von US-Anleihen anlegen, um ihre eigenen Währungen verteidigen zu können.

Da ein Anstieg der langfristigen Zinsen ausblieb, hatten die Leitzinserhöhungen auch keine Auswirkungen auf die Wirtschaft. Rund 80 Prozent der privaten Schulden in den USA sind langfristig. Höhere kurzfristige Zinsen haben darauf kaum Einfluss – und daher auch nicht auf die Binnennachfrage. Die Anlageinvestitionen steigen nach wie vor, während die Sparquote der Haushalte inzwischen negativ ist – im Juli lag sie bei minus 0,6 Prozent.

Höhere langfristige Zinsen sind in den USA erst dann zu erwarten, wenn die asiatischen Zentralbanken weniger US-Staatspapiere kaufen. Dann müsste aber das amerikanische Außenhandelsdefizit sinken – um zu vermeiden, dass die US-Währung abwertet. Dieses Ziel wäre nur mit einer sehr viel restriktiveren Geldpolitik mit Leitzinsen von sechs Prozent oder mehr zu erreichen. Eine derartige Politik aber ist nicht zu erwarten – auch nicht von einem neuen Notenbankchef. Denn sie würde das US-Wirtschaftswachstum ersticken.

Autor: Patrick Artus, Chefvolkswirt Research IXIS CIB.

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