Stimme aus Paris
Noch ein Rätsel

Mehr denn je geben die Anleiherenditen in den USA Rätsel auf. Wie kommt es, dass diese so niedrig sind, obgleich die amerikanische Notenbank angesichts steigender Inflation die Zinsen kontinuierlich anhebt?

Über diese Frage vergisst man leicht eine weitere Besonderheit, die sich aktuell im Preis für Gold widerspiegelt. Normalerweise fällt der Goldpreis, wenn der US-Dollar fest ist und wenn die Notenbank die Zinsen anhebt. Gerade deshalb sind die Preisbewegungen oftmals konträr zu denen von festverzinslichen Wertpapieren.

Heute dagegen beweist der US-Dollar Stärke, die Notenbank hebt die Zinsen an, und trotzdem hat der Preis für die Unze Gold seit Jahresbeginn etwa sieben Prozent zugelegt. Zwei Argumente, die dies begründen, sind leicht auszumachen: zum einen der Appetit der asiatischen Bevölkerung sowie der im Nahen Osten, ferner lädt der wenig liquide Goldmarkt ohne Zweifel Hedge-Fonds dazu ein, ihr Glück zu versuchen. Allerdings sind wir davon überzeugt, dass darüber hinaus auch eine fundamentale Erklärung greift.

Wirtschaftlich betrachtet stehen wir nach wie vor dem Phänomen der „drei hässlichen Schwestern“ gegenüber. So sind die drei großen Währungen – der US Dollar, der Euro und der Yen – wenig attraktiv. Der Dollar wird von den bekannten Ungleichgewichten belastet, der Euro wird von schwachem Wachstum heimgesucht, und der Yen bietet de facto keine Verzinsung. Angesichts dieser Alternativen bleibt dem Investor nicht viel Auswahl, was die Nachfrage nach Gold stärkt.

Angesichts weiterer Zinssteigerungen am kurzen Ende in den USA können wir Gold heute als Anlage allerdings kaum empfehlen. Weitaus wahrscheinlicher ist es, dass Investoren den US-Dollar als Investment wieder neu entdecken und dieser sich als die attraktivste der „drei hässlichen Schwestern“ erweist.

Autor: Jean-Pierre Hellebuyck, Vice Chairman Axa Investment Managers.

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